Pinochet nach Gerichtsniederlage wieder im Spital

30. Mai 2001, 08:20
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Späte Gerechtigkeit: Dem Ex-Diktator blieb erkennungsdienstliche Prozedur nicht erspart

Santiago de Chile - Der frühere chilenische Diktator Augusto Pinochet ist am Montag kurz nach einer Niederlage vor Gericht zu Untersuchungen in das Militärhospital von Santiago gebracht worden. Der 85-Jährige sei von mehreren Spezialisten untersucht worden, die ihn anschließend wieder nach Hause entlassen hätten, berichteten lokale Medien. Nur kurz zuvor hatte das Appellationsgericht in der Hauptstadt die sofortige erkennungsdienstliche Erfassung Pinochets als Angeklagter wegen Verbrechen unter der Militärdiktatur (1973-1990) angeordnet.

Damit muss sich der frühere Alleinherrscher für die Polizeiakte von vorn und im Profil fotografieren lassen und sich die Fingerabdrücke abnehmen lassen. Dies ist in Chile für jeden Angeklagte zwingend vorgeschrieben. Die Verteidigung hatte monatelang versucht, die Prozedur unter Hinweis auf den schlechten Gesundheitszustands ihres Mandanten zu verhindern. Die Anwälte befürchten, dass die Polizeifotos Pinochet zum Verbrecher stempeln würden. Dies sei Teil eines Rachefeldzuges linker Kräfte gegen den früheren Staatschef, argumentieren seine Anhänger. Es war zunächst unklar, wann und wo Pinochet fotografiert würde. (APA/AP)

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