Italien: Sieger mit blauem Auge - von Gudrun Harrer

28. Mai 2001, 19:41
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Es ist eine kleine Revanche mit großen Folgen, der Sieg des Ulivo in den italienischen Städten Rom, Neapel und Turin. Klein, weil knapp und mit relativ starken Verlusten im Vergleich zu früheren Bürgermeisterwahlen, bedeutend, weil, wie knapp auch immer, außer Mailand nun die wirtschaftlich wichtigsten Städte in der Hand des Mitte-links-Bündnisses sind. An Rom, wo der jetzige Parteichef der Linksdemokraten (PDS), Walter Veltroni, regieren wird, soll der Ulivo im Allgemeinen und die italienische Linke im Besonderen genesen, jubeln nun die Wahlsieger zwei Wochen, nachdem Silvio Berlusconi ihnen heimgeleuchtet hat.

Bei näherer Betrachtung muss das Ergebnis gerade in Rom für den Ulivo ernüchternd sein. Der Mitte-rechts-Block hatte 1997 mit 35,9 Prozent die Wahlen verloren (und nicht, weil ihm vielleicht Kleinparteien viel weggenommen hätten), diesmal mit 47,8 Prozent. Berlusconis Forza Italia kam damals gemeinsam mit den Christdemokraten (CDU) auf zehn Prozent, diesmal allein auf 19,2 (CDU-CCD: 3,1). Rutelli hatte 1997 über 60 Prozent, Veltroni hat heute 52,2. Nach einem solchen Sieg sagt man gemeinhin, "mit einem blauen Auge davongekommen" zu sein.

Aber wie gesagt, an den Resultaten ändert das nichts. Hoffte Berlusconi, der sich persönlich sehr im kommunalen Wahlkampf eingesetzt hat, dass seine Kandidaten in den Städten auf der Woge seines Erfolgs reiten würden, so wurde er enttäuscht: Anders als vor zwei Wochen hatten diese Wahlen nicht mehr den Charakter eines Berlusconi-Referendums. Da half auch die unverhohlene Wahlempfehlung des Vatikans in Rom für Antonio Tajani nichts mehr, einem politischen Leichtgewicht im Vergleich zum Politprofi Veltroni. Dass der Kirche vor einem Informationsmonopol `a la Berlusconi nicht graust, ist nicht weiter verwunderlich: Sie hatte in ihrer 2000-jährigen Geschichte weit Effektiveres als die Hälfte eines nationalen Fernsehmarktes. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 29. 5. 2001)

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