Josef Winkler, der Sprachwandler

28. Mai 2001, 21:37
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Lesung in der Galerie "Museum auf Abruf"

Der 1953 in Kamering bei Villach geborene Bauernsohn Josef Winkler erscheint immer anders und neu, weil sich seine Sprache wandelt. Im Dorf hatte der Handelsschüler, während seine fünf Schwestern und sein Bruder in der Kammer schliefen, das väterliche Leseverbot durchbrochen "und Todesmetaphern gesammelt": aus Canetti, Kafka, Jean Genet. Und "wie ein Geschwür", schrieb Winkler in seinem autobiografischen Zyklus "Das wilde Kärnten", der ihn ab 1979 berühmt machte, sei seine Sprache aufgebrochen. Macht, Homosexualität, Verzweiflung wurden umkreist.

Von einem Indienaufenthalt Mitte der 90er brachte er minutiöse, zeitlupenhafte Sprachaufnahmen winziger und sich wiederholender Bewegungs- und Stillstandsabläufe am Ufer des Ganges mit (Domra, 1996). Diese Zeitlupentechnik verfeinerte er, um kubistisch immer kleinere Felder immer genauer anzulegen. Das brachte ihm für das im Herbst erscheinende "Nature morte" soeben den Alfred-Döblin-Preis ein.
(rire/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29. 5. 2001)

Galerie Museum auf Abruf
20 Uhr
1., Makartgasse 1

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