"Kriagst ane auf die Birn"

28. Mai 2001, 20:34
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Die Kärntner ließen sich gegen Tirol nicht einschüchtern, hatten mehr Drive und holten also das Dopolino

Wien - Emanuel Pogatetz ist so ein ganz junger Hupfer aus der Ersten Division, den FC Kärntens Boom ins Cupfinale und sein eigens Talent zu einem Job bei Bayer Leverkusen schwappte. "Hau ab, du Rotzpippn", pfauchten ihn im Memphis-Cup-Finale die Großkopferten vom FC Tirol an. " Kumm her, kriagst ane auf die Birn", antwortete Pogatetz. Am Ende hatten er und der FC Kärnten den Meister aus Tirol mit 2:1 (n. V.) blamiert, Tirols Trainer Kurt Jara redete die eher genannte Niederlage schön ("Ich bin lieber Meister als Cupsieger - 36 Spiele lang können sie in der Meisterschaft so nicht spielen"), der Steirerbua Emanuel Pogatetz (18) verabschiedete sich von einem jetzt erstklassigen Kärntner Verein, in zwei Wochen tritt er bei Leverkusen den Dienst an. Pogatetz: "Jetzt feiern wir ordentlich, das hamma uns verdient."

Ein Alzerl mehr

Er und alle anderen Kärntner gaben "das Alzerl" mehr als die Tiroler, die zum Schluss auch noch die Nerven und zwei Mann wegen Insultierung (Scharrer gegen Pogatetz) und Foul (Marasek an Kollmann) und roter Karte verloren. Jara: "Das ist ärgerlich, weil die Roten leider in die neue Saison mitgenommen werden."

Pogatetz, der von der Ersten Division zum "Young Star des Jahres" gekürt wurde, wusste, dass Jugendspieler auch mit Nationalspielern mithalten können, wenn sie genug Herz im Spiel haben." Sein Expräsident Jörg Haider posaunte gestern, er wolle nun ein neues Stadion in Klagenfurt bauen. Das hatte er freilich schon längst vor, weil Kärnten ein mit dem ÖFB und der Bundesregierung akkordierter Standort für die EM-Bewerbung 2008 ist. Die neue Hütte anstelle des abgewohnten Wörthersee-Stadions (Sanierungsbedarf: 140 Millionen Schilling) soll rund 15.000 Sitzplätze bieten und im EM-Fall auf rund 30.000 ausgebaut werden können.

Dopolino

Walter Schachner, Trainer des FC Kärnten, badete in der rot beleiberten Kärntner Fan-Kolonne, die der Vereinspräsident (erkennbar am verspiegelten Haarreifen) nach Wien geführt hatte. Er hatte als erster Österreicher eine neue Ordnung etabliert, das Dopolino, das kleine Double, geschafft: Cupsieg und Meister der Ersten Division. (josko)

(DER STANDARD, PRINTAUSGABE 29.5. 2001)

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