Per Mausklick auf den Mistplatz

28. Mai 2001, 19:23
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Hewlett-Packard will umweltfreundliche Entsorgung fördern

Der US-Computerkonzern Hewlett-Packard (HP) will etwas gegen den wachsenden Computerschrott tun. In den USA sollen Verbraucher künftig mit einem Mausklick ihre alten PCs, Drucker, Scanner und Server entsorgen.

Ein neues Service im Rahmen von HPs Planet Partner Program offeriert das Abholen, die Beurteilung und die Entsorgung des ausgedienten Teiles. Es soll entweder zur weiteren Nutzung an Institutionen wie Trainingsprogramme in Schulen weitergereicht werden oder landet im Recyclingcenter des Computerherstellers in Roseville, Kalifornien. Dort soll es, so das Versprechen, "sauber" entsorgt werden. HP macht dabei keinen Unterschied zwischen eigenen oder fremden Produkten. Das Einzige, was der umweltbewusste Kunde zu tun hat, ist das Eintippen seiner Kreditkartennummer. Denn das Service kostet zwischen neun und 30 Dollar (bis zu 470 Schilling/ 34,16 Euro) pro Gerät.

Programme, die in ähnlicher Form auch von IBM und Gateway angeboten werden, seien längst überfällig. Denn bislang hatten die Nutzer wenig Alternativen, ihren Computermüll umweltfreundlich zu entsorgen. In vielen Fällen landete dieser schlicht im Abfall. Eine Horrorvorstellung für Leslie Byster von der Silicon Valley Toxic Coalition. "Ektronische Geräte tragen am meisten zur Anhäufung von toxischem Material auf Schuttabladeplätzen bei."

Nach Schätzung der Umweltorganisation, die sich mit der Kampagne für "saubere Computer" einen Namen gemacht hat, werden allein in den USA bis zum Jahr 2004 315 Millionen Rechner ausgemustert. Das bedeutet: mehr als 500.000 Tonnen Blei, 900 Tonnen Cadmium, rund 200 Tonnen Quecksilber und etwa 600 Tonnen Chrom.

Denn nicht nur verschlingen PCs schon vor der Anschaffung bei der Herstellung der Chips und dem Löten der Platinen eine Menge Resourcen. Ausgemustert fallen zum Teil hochgiftige Stoffe an, die wiederum das Grundwasser und den Boden verseuchen.

Eine groß angelegte Studie des Forschungsinstituts Stanford Resources in San José kam zum Ergebnis, dass nur elf Prozent der 20,6 Millionen ausgemusterten PCs im Jahr 1998 überhaupt wiederverwertet wurden. Der große Rest verstaubt entweder in der Abstellkammer, landete im Hausmüll oder wurde bestenfalls kannibalisiert und fand eine neue Bestimmung in Schulen oder Trainingszentren. Denn anders als in Europa ist Recycling in den USA keine nationale Obsession. Es wird auf Teufel komm raus konsumiert. Es gibt kaum materielle Anreize und wenig Reglementierung für die Wegwerfgesellschaft. Auch gibt es weder generelle Richtlinien noch ein landesweites Programm. Ein anderes Problem ist, dass die Infrastruktur für das Recycling in den USA fehlt. Sieben Bundesstaaten haben überhaupt keine Recyclingzentren. HP selbst, das von Telefonanrufen Interessierter überschwemmt wird, hofft noch in diesem Sommer ein weiteres Recyclingzentrum in Tennessee zu eröffnen und die Initiative eventuell auf Asien und Lateinamerika auszudehnen.(STANDARD-Mitarbeiterin Rita Neubauer aus Palo Alto, Der Standard, Printausgabe, 29.05.2001)

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