Libro beschäftigt Börsenaufsicht

28. Mai 2001, 19:05
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Welser Papiergroßhändler PBS bestätigt Interesse an der maroden Medienhandelskette

Wien/Wels - Die drohende Pleite des Buch- und Medienhandelskonzerns Libro beschäftigt jetzt die Bundeswertpapieraufsicht. Wie BWA-Sprecherin Ulrike Weiser dem STANDARD bestätigte, wird es zumindest Wochen in Anspruch nehmen, um die Informationspolitik des Unternehmens zu durchleuchten. Ob es zu einer Vernachlässigung der Informationspflicht gegenüber den Anlegern gekommen ist, sei zu prüfen. Mehrere Zeugenladungen stehen bevor.

Grundsätzlich muss die BWA auf jede Kursauffälligkeit reagieren, von denen es bei Libro zuletzt genug gab. Interessant werde auch sein, ob das Management bei der Bekanntgabe von Zahlen am 27. April - die über die Überschuldung keine Auskunft gaben - schon Kenntnis von der später offenkundig gewordenen Überschuldung hatte. Sollte der Vorstand relevante Information verschwiegen haben, droht eine Verwaltungsstrafe in einem Höchstausmaß von 300.000 S.

Mitte dieser Woche steht ein neuer Gipfel mit den Gläubigerbanken an. Die Position der Banken: Schuldennachlass ja, aber nur wenn die Eigentümer "Geld in die Hand nehmen". Dazu seien aber weder die Finanzgesellschaften UIAG und DBAG, noch das Management und schon gar nicht die Telekom Austria bereit.

Anton Stahrlinger, Mehrheitseigentümer und Geschäftsführer von PBS Austria, mit einem Gesamtumsatz von zwei Mrd. S Marktführer im Großkundengeschäft mit Papier-Büroschreibwaren, bestätigte im STANDARD-Gespräch sein Interesse, bei Libro einzusteigen und "die industrielle Führung zu übernehmen". Finanziert solle der Deal über Investorgesellschaften werden. Er habe weiters "inhaltliche Partner" aus dem In- und Ausland an der Hand. Stahrlinger: "Es ist aber nicht Bertelsmann."

Ein erster Blick in die Kennzahlen habe Stahrlinger "noch nicht abgeschreckt". Crux der Sache sei jedenfalls die Beschaffung: "Die Logistikstrukturen von Libro sind zum Weinen. In Verbindung mit der aggressiven Preispolitik bleibt nichts in der Kassa." Synergien würden sich durch die "großen" Beschaffungsstrukturen bei PBS ergeben. Indessen werden in den Libro-Filialen die ersten Lücken im Sortiment evident (siehe nebenstehenden Artikel).

Die Unternehmensberatung Roland Berger sieht einen Bedarf von 1,1 Mrd. S für die Restrukturierung vor. Laut Brancheninsidern sei dies "wahrscheinlich die Untergrenze". Ein deutscher Verleger prognostiziert: 300 Mio. DM (2,1 Mrd. S) "sind das Allernotwendigste". (masch/sp/szem, Der Standard, Printausgabe, 29.05.2001)

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