Kommt, Fremde, aber nur befristet

28. Mai 2001, 19:01
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Weil 25.000 Arbeitskräfte fehlen, will Bartenstein 2002 mehr Ausländer zulassen

Wien - Ab 2002 möchteWirtschaftsminister Martin Bartenstein (VP) zusätzliche ausländische Arbeitskräfte hereinholen, aber nur befristet. Ähnlich wie jetzt schon bei den Saisonniers im Tourismus und in der Landwirtschaft sollte es dann möglich sein, etwa Schweißer auf eine gewisse Zeit aus Staaten außerhalb der EU hereinzuholen. Wie viel es sein sollen und wie lange sie jeweils bleiben dürfen, wollte sich Bartenstein nicht festlegen. Nur so viel: "nicht nur für einige Wochen, aber auch nicht für einige Jahre, irgendwie dazwischen". Wolfgang Alteneder von Synthesis ging nach der Pressekonferenz von einem Bedarf von 5600 Arbeitskräften aus.

Die Gespräche mit dem Koalitionspartner FPÖ hätten erst begonnen, betonte Bartenstein. Und er ließ auch offen, ob es dafür eine eigene Quote neben der jährlich fixierten Zuwandererquote geben wird.

Die FP will die jährliche Zuwanderungsquote ja möglichst senken, Bartenstein möchte innerhalb der Quote künftig stärker zwischen "humanitären" Anrechten (Familiennachzug, Asylanten) und eigentlichen Arbeitskräften unterscheiden. Momentan sei in dieser Quote "alles drin, was nicht zusammengehört".

Der Grund des Bartenstein-Vorstoßes: Schon im nächsten Jahr werden nach Berechnungen des Forschungsinstitutes Synthesis 25.000 Arbeitskräfte fehlen, davon 17.600 Facharbeitskräfte und 7400 weniger qualifiziertes Personal. Die Personalknappheit trifft ziemlich alle Branchen (siehe Grafik und Tabelle).

Allein die Zahl der fehlenden Informationstechnologieexperten wird auf 7400 geschätzt. Auffallend dabei: Die meisten der gesuchten IT-Jobs (5000) sind unter dem Niveau von HTL-Ingenieuren.

Das Gros der fehlenden Arbeitskräfte wird sich nach den Hoffnungen Bartensteins aus dem Inland abdecken lassen. Und zwar der Reihe nach durch mehr berufstätige Frauen, Integration älterer Arbeitnehmer und Arbeitsloser sowie die Zulassung legaler Ausländer, die bereits fünf Jahre hier leben. Bei Letzteren gebe es laut Experten ein noch unausgeschöpftes Potenzial von 15.000 bis 30.000.

Bis Herbst hofft Bartenstein auch noch mit den EU-Beitrittskandidaten Tschechien und Slowenien bilaterale Verträge abschließen zu können, sodass (wie mit Ungarn paktiert) Grenzgänger und Praktikanten in Österreich arbeiten dürfen.

Der Wirtschaftsminister will auch die Jugend in zukunftsträchtige Berufsbahnen lenken. Es müsse aber allen bewusst sein, dass es mindestens drei Jahre dauere, bis erste Effekte sichtbar würden. (lyn, Der Standard, Printausgabe, 29.05.2001)

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