Eine Woche Gnadenfrist für Telekom-Chef Heinz Sundt

28. Mai 2001, 18:59
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Aufsichtsratssitzung aus "terminlichen Gründen" verschoben

Wien - Telekom-Austria-Chef Heinz Sundt kann offenbar noch eine Woche länger im Amt bleiben. Die ÖIAG hat die ursprünglich für heute, Dienstag, angesetzte Aufsichtsratssitzung der Telekom Austria (TA), für die die Ablöse des Vorstandes erwartet worden ist, auf nächsten Dienstag verschoben. ÖIAG-Vorstand und TA-Aufsichtsratschef Johannes Ditz nannte als Grund "terminliche Probleme" des italienischen Partners Telecom Italia. Außerdem seien die TA-Quartalszahlen sehr spät eingetroffen und sollten vor der Sitzung noch genau geprüft werden, so Ditz. Schon im April wurde eine Aufsichtsratssitzung aus Termingründen verschoben.

Ditz bestritt einen Zusammenhang zwischen Verschiebung der Sitzung und der laufenden Personaldiskussion. "Das ist eigentlich nicht der Grund", sagte er. Die Unsicherheit rund um die Führung der TA müsse rasch beendet werden, dafür sei nur der Aufsichtsrat zuständig. Die ÖIAG ist mit einer Beteiligung von 47,8 Prozent Haupteigentümer der Telekom Austria. Die Telecom Italia hält 29,8 Prozent an der TA.

Nachfolgesorgen

Neben TA-Chef Sundt soll laut Brancheninformationen auch TA-Technikvorstand Rudolf Fischer ausgetauscht werden. Doch für beide Manager stehen keine Nachfolger bereit. Die Telecom Italia sträubt sich offenbar weiter gegen den Ditz-Favoriten Ernst Häberli; und der Schweizer Swisscom-Manager Räto Held, der zuletzt als Fischer-Nachfolger im Gespräch war, hat bereits abgesagt. Er wechselt angeblich zur Swissair.

Im TA-Betriebsrat herrscht weiterhin Unverständnis für das Vorgehen der Eigentümer. Endlich sei Ruhe im Unternehmen eingekehrt gewesen, nun gehe die Personaldebatte wieder von vorne los. "Das hält die beste Firma nicht aus", meinte der stellvertretende Zentralausschussvorsitzende Helmut Hospodar, der am Montag mit Ditz zusammentraf.

Die Grünen bereiten indessen eine parlamentarische Anfrage an Finanzminister Karl-Heinz Grasser wegen der Umbesetzungen in der TA vor. "Aufgrund welcher Notwendigkeit erfolgt eine vorzeitige Auflösung der Verträge, die dem Unternehmen Telekom Austria erhebliche Kosten verursacht?", heißt es darin. (ef/APA, Der Standard,Printausgabe, 29.05.2001 )

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