Umstrittenes Erdölprojekt spaltet ecuadoranische Regierung

28. Mai 2001, 18:05
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Umweltministerin stellt sich auf Seite der Kritiker

Quito - In Ecuador wächst der Wiederstand gegen den bevorstehenden Bau einer 500 Kilometer langen Erdölleitung. Selbst in Regierungskreisen regt sich Unmut über das von Staatspräsident Gustavo Noboa kompromisslos vorangetriebene Vorhaben, das nach der Fertigstellung Indianerterritorien und Naturschutzgebiete durchschneidet.

Er werde nicht zulassen, dass das Land wegen einer Handvoll "Schwachköpfe" vor die Hunde gehe", sagte Noboa in der letzten Woche in Anspielung auf die indigenen Führer, Menschenrechts- und Umweltaktivisten, die gegen den Bau der Erdölleitung ab nächsten Monat stemmen.

Umweltministerin verweigert Lizenz

Landesweite Proteste unter Führung der Ureinwohner hatten am 21. Januar letzten Jahres zum Sturz des damaligen Staatschefs Jamil Mahuad geführt. Nach einem kurzen Interregnum der aus Indianern und Militärs bestehenden 'Regierungsjunta der nationalen Rettung' wurde Noboa zum Nachfolger Mahuads bestimmt.

Die Regierung sieht sich nun mit Widerstand aus den eigenen Reihen konfrontiert. Umweltministerin Lurdes Luque gab letzte Woche bekannt, sie werde dem Vorhaben keine Umweltgenehmigung erteilen, solange die Schwachstellen des Projekts nicht beseitigt würden. Ohne Lizenz kann mit dem Bau der Leitung nicht begonnen werden.

US-Konzerne finanzieren Projekt

Auf einen Vorschlag der Umweltschützer, die Trasse für die Pipeline zu verlegen und damit die empfindlichsten Ökozonen zu schonen, ist das Pipeline-Konsortium bislang nicht eingegangen. Dazu zählen die kanadische 'Alberta Energy', die US-Firmen 'Kerr McGee', 'Occidental Petroleum' und 'Repsol-YPF' aus Spanien.

In den USA richteten die US-amerikanischen Naturschützer ihre Bemühungen auf die finanzierenden Banken, allen voran J. P. Morgan, die Citibank und die Deutsche Bank. In einem Brief vom 11. Mai fordern sie die Finanziers dazu auf, ihre Unterstützung für die Expansion der Ölindustrie in ökologisch sensiblen Gebieten einzustellen und statt dessen in die Entwicklung erneuerbarer Energien zu investieren. Keine der angesprochenen Banken hat bislang auf den Aufruf reagiert. (IPS)

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