Abu Sayyaf fordert Unabhängigkeit für Südphilippinen

28. Mai 2001, 16:52
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Manila - Vor gut einem Jahr wurden die Rebellen der Moslemorganisation Abu Sayyaf mit einem Schlag bekannt: Seinerzeit machten sie mit der spektakulären Entführung von 21 Urlaubern Schlagzeilen. Erst nach monatelanger Geiselhaft auf der philippinischen Insel Jolo wurden die Entführten gegen Lösegelder in Millionenhöhe freigelassen. Am Sonntag haben die als besonders gewalttätig berüchtigten Rebellen erneut 20 Menschen aus einer Hotelanlage vor der westlich gelegenen Insel Palawan in ihre Gewalt gebracht. Unter ihnen sind drei US-Bürger und 17 Philippinos.

Die Abu Sayyaf wurde zu Beginn der 90er Jahre von dem moslemischen Prediger Abdurajak Janjalani gegründet, der 1998 bei einer Polizeiaktion erschossen wurde. Die Gruppe kämpft für einen eigenen islamischen Staat im Süden der Philippinen. Schon heute haben die Rebellen auf den südlichen Inseln Basilan, Tawi-Tawi sowie der Sulu-Inselgruppe ihre Stützpunkte. Es wird geschätzt, dass mehrere hundert Kämpfer zur Abu Sayyaf gehören, die meisten von ihnen ehemalige Studenten. Nach Angaben des philippinischen Militärs wurden die Anführer der Rebellen in Afghanistan ausgebildet.

Die philippinische Armee nahm die Organisation zunächst nicht ernst. Doch mit einem ersten Bombenanschlag auf ein von Christen geleitetes Bibliotheksschiff 1992 machten die Rebellen klar, dass sie ihre Ziele mit aller Gewalt durchsetzen wollen. Weitere Anschläge auf katholische Kirchen und Entführungen von christlichen Geistlichen folgten. Im vergangenen Jahr enthaupteten die Moslemrebellen zwei von insgesamt 29 philippinischen Geiseln, um ihren Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen. Erst vor einer Woche überfielen mutmaßliche Abu-Sayyaf-Rebellen eine Ferienanlage auf der südphilippinischen Insel Samal und töteten zwei Angestellte.

Während andere moslemische Rebellengruppen Friedensabkommen mit der Regierung in Manila unterzeichneten, hat Abu Sayyaf nach Vermutungen des philippinischen Militärs inzwischen Kontakte zum internationalen Terrorismus aufgebaut. Daneben gibt es nach Einschätzung der Regierung in Manila Verbindungen der Rebellen zu dem als Terroristen gesuchten Milliardär Osama bin Laden, der in Afghanistan Unterschlupf gefunden hat. (APA/AP)

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