Hauptangeklagter in Welser Drogen-Prozess weiter auf der Flucht

29. Mai 2001, 11:00
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Kripo untersucht Hinweise auf mögliche Fluchthilfe von außen

Linz - Die drei Untersuchungshäftlinge, die am Montagnachmittag aus der Justizanstalt Wels entkommen konnten, sind trotz großräumiger Fahndung weiter flüchtig. Derzeit werde von der Kriminalpolizei der Tathergang genau untersucht, auch um mögliche Hinweise auf eine Fluchthilfe von außen zu finden, so Hannes Schwenter von der Bundespolizeidirektion Wels.

Einer der drei flüchtigen Straftäter ist Hauptangeklagter in einem bevorstehenden Drogen-Prozess im Landesgericht Wels. Bei den beiden anderen Geflohenen handelt es sich um einen 33-jährigen Untersuchungshäftling, dem eine Reihe von Diebstählen vorgeworfen wird, und um einen 38-Jährigen, der wegen schweren Raubes noch nicht rechtskräftig zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden ist. Das Trio konnte gestern aus der im Tiefparterre gelegenen Wäscherei flüchten. Die aus gehärtetem Stahl bestehenden Gitterstäbe an den Fenstern waren durchgesägt.

Auch am Dienstag war unklar, ob es den drei Häftlingen möglich war, Spezialwerkzeug zur Durchtrennung der Gitterstäbe in die Zelle zu schmuggeln, oder ob es Fluchthelfern gelungen war, die Stäbe von außen zu durchtrennen, so Schwenter.

Prozess nicht gefährdet

Nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Wels ist der Prozess durch die Flucht des Hauptangeklagten aber nicht gefährdet. Er war - in den Gerichtsakten festgehalten - geständig und hat dabei die Mitangeklagten massiv belastet. Somit kann zwar nicht gegen ihn verhandelt werden, seine bisherigen Aussagen können aber im Prozess im Zusammenhang mit den anderen Beschuldigten verwendet werden.

In dem bevorstehenden Prozess ging es um den seit 1998 durchgeführten Schmuggel von großen Mengen Drogen von Holland über Deutschland nach Österreich. Vor allem die Wiener Rotlichtszene wurde beliefert, aber auch in Oberösterreich und Salzburg gab es Abnehmer.

Die Anklageschrift

Die Anklage gegen die 31 Personen - alle 20 bis 43 Jahre alt - umfasst 182 Seiten. Der gesamte Akt ist 50 Bände dick. Die eigentlichen Drahtzieher des Drogenhandels, der nach Auffassung der Staatsanwaltschaft der internationalen organisierten Kriminalität zuzuordnen ist, dürften sich in Deutschland oder Holland befinden, an sie kam man bei den Ermittlungen allerdings nicht heran.

Nach den Erkenntnissen der Suchtgiftfahnder haben die Dealer im Schnitt pro Monat rund 50 Kilogramm Cannabis nach Österreich gebracht, dazu kamen noch große Mengen Kokain, Opium und Ecstasy-Tabletten. "Die Nachfrage in Wiener Rotlichtlokalen und Discotheken war so groß, dass die gelieferte Ware innerhalb weniger Tage weiterverkauft werden konnte", so ein Ermittler. Entsprechend große Gewinne schauten daher auch für die Dealerorganisation heraus.

In dem Prozess ab Ende Juni sollen die 31 Angeklagten von insgesamt 25 Anwälten verteidigt werden. Für die Welser Justiz bedeutet eine Verhandlung mit einer so großen Anzahl von Angeklagten eine "Herausforderung". Eine weitere Anklage im Zusammenhang mit dem Fall gegen zusätzlich 45 Personen ist in Vorbereitung. (APA)

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