Oldham: Polizei macht rechtsextreme Parteien indirekt verantwortlich

29. Mai 2001, 21:03
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Erneut Unruhen - 21 Festnahmen - Robinson: Briten "mit Vergangenheit nicht im Reinen"

London/Oldham - In der britischen Stadt Oldham ist es erneut zu rassistisch motivierten Ausschreitungen gekommen. Weiße Jugendliche grölten nach Polizeiangaben in der Nacht zum Dienstag ausländerfeindliche Parolen und versuchten, in ein mehrheitlich von pakistanischen Einwanderern bewohntes Viertel vorzudringen.

Die Polizei riegelte den Stadtteil ab. Randalierer steckten daraufhin eine Straßensperre in Brand. 21 Jugendliche wurden wegen Unruhestiftung und Waffenbesitzes festgenommen, darunter 18 Weiße. Die rechtsextreme Britische Nationale Partei (BNP) wies den Vorwurf zurück, sie sei für die Unruhen mitverantwortlich.

Die Skinheads versuchten in der Nacht, in den vorwiegend von Einwanderern aus Pakistan und Bangladesch bewohnten Stadtteil Glodwick zu marschieren. Sie riefen Parolen wie "Wir hassen Pakis". Weiße und asiatischstämmige Jugendliche randalierten in mehreren Stadtteilen, demolierten Autos und warfen Scheiben ein.

Unangemessen

Die rechtsextreme BNP bezeichnete es am Dienstag als "lächerlich", ihr die Mitverantwortung für die rassistische Gewalt in Oldham zuzuweisen. BNP-Chef Nick Griffin warf der asiatischstämmigen Bevölkerung der Stadt vor, sie habe "extrem unangemessen" auf kleinere Angriffe weißer Jugendlicher reagiert. "Wir waren es nicht, die mit tausend Leuten Polizisten mit Steinen beworfen und ihre Nachbarn angegriffen haben, nur weil die eine andere Hautfarbe haben", betonte er.

Der BNP-Chef forderte die Polizei auf, sich den "asiatischen Rassisten" entgegenzustellen. "Noch haben die Weißen nicht zurückgeschlagen, aber die Sache kann so nicht weitergehen", drohte Griffin.

Rechtsextreme indirekt verantwortlich gemacht

Die Polizei macht die rechtsextremen Parteien indirekt für die Gewalt verantwortlich. Schon weit vor dem Beginn der Unruhen am Wochenende habe er mit den örtlichen Vertretern der Nationalen Front gesprochen und sie gebeten, auf Wahlkampagnen in Oldham zu verzichten, erklärte Kommissar Eric Hewitt. Der Appell sei jedoch ohne Reaktion verhallt, die Parteistrategen hätten allwöchentlich ihre Veranstaltungen in Oldham abgehalten. In Großbritannien finden am 7. Juni Kommunal- und Parlamentswahlen statt. Die BNP hat in Oldham und einem Vorort drei Kandidaten für das Parlament aufgestellt.

Seit Sonntag

Die schwersten Rassenunruhen in Großbritannien seit zehn Jahren hatten in der Nacht zum Sonntag ihren Anfang genommen, als sich hunderte Jugendliche Straßenschlachten mit der Polizei lieferten. Dabei wurden 15 Polizisten leicht verletzt. In der folgenden Nacht prügelten sich weiße und asiatische Jugendliche in den Straßen der Stadt. Randalierer zündeten Barrikaden an und setzten einen asiatischen Supermarkt in Brand.

Das nördlich von Manchester gelegene Oldham ist ein Brennpunkt ethnischer Spannungen. Im vergangenen Jahr wurden 572 kriminelle Übergriffe mit rassistischem Hintergrund registriert. In Glodwick stammen nach amtlichen Angaben 90 Prozent der Einwohner aus Pakistan oder Bangladesch. Die örtliche Jugendszene wird stark von rechtsextremen Parteien beeinflusst.

"Briten haben Problem mit der Vergangenheit"

Die jüngsten Unruhen in Großbritannien zeigen nach Ansicht von UNO-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson, dass viele frühere Kolonialmächte mit ihrer Vergangenheit nicht im Reinen sind. Ein Merkmal der Vorgänge in Oldham sei, dass es dort britische Bürger der zweiten und dritten Generation gebe, die auch in den Medien nicht als Bürger des eigenen Landes wahrgenommen, sondern als "Asiaten" charakterisiert würden, kritisierte Robinson. (APA/AP/Reuters)

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