Helmpflicht für Motorradfahrer in Vietnam

28. Mai 2001, 13:40
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Wenig Chancen, dass sich der Helm durchsetzen wird

Ho-Tschi-Minh-Stadt - Vom 1. Juni an müssen Motorradfahrer in Vietnam einen Helm aufsetzen, bevor sie losbrausen. Doch die im vergangenen Jahr von Premierminister Phan Van Khai erlassene Direktive dürfte von kaum einem der sieben Millionen Biker befolgt werden. Motorradhelme sind äußerst unbeliebt.

Dabei sprechen Vietnams Unfallstatistiken und die große Zahl der Unfallopfer, die im Straßenverkehr ums Leben kommen oder verletzt werden, eine deutliche Sprache. Bei den rund 20.000 Verkehrsunfällen pro Jahr werden in Vietnam 6.000 Menschen getötet, 22.000 werden verletzt.

Dennoch rechnet man in Vietnam damit, dass sich auch in Zukunft nur wenige Motorradfahrer behelmt in den Verkehr stürzen. Schon eine im September letzten Jahres landesweit durchgeführte Informationskampagne ('Setz' einen Helm auf!') erwies sich als wenig erfolgreich. Damals trat Stufe 1 der amtlich verordneten Helmpflicht in Kraft. Motorradfahrer waren aufgefordert, einen Schutzhelm aufzusetzen, wenn sie auf Fernstraßen unterwegs sind.

Bevor dann später alle Motorradfahrer einen Helm tragen müssten, hätten auch die Fabriken genügend Helme auf den Markt gebracht, meint ein Minister. Für mehrköpfige Familien kann der Einkauf der Motorradhelme - einheimische Produkte kosten 140.000 Dong (etwa zehn Dollar) - allerdings zu einem finanziellen Problem werden.

Für Fachleute ist die von der Regierung verfügte Helmpflicht für Motorradfahrer der falsche Ansatz, um den Straßenverkehr sicherer zu machen. Wegen des Fehlens von U-Bahnen oder Straßenbahnen in den Großstädten Hanoi und Ho-Tschi-Minh-Stadt und völlig unzureichenden Busangebots im öffentlichen Nahverkehr würden sich immer mehr Menschen für ein eigenes Verkehrsmittel entscheiden.(IPS)

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