"Loft Story" wird zum Filmstoff

28. Mai 2001, 12:44
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Filmemacher Beneix dreht Film zur französischen "Big Brother"-Version

Der französische Filmemacher Jean-Jacques Beineix hat bekannt gegeben, dass er einen Film zur Reality-TV-Sendung "Loft Story", der französischen Version von "Big Brother", dreht. "Es handelt sich um ein Phänomen, und jedes Phänomen verdient es, studiert zu werden", so Beneix, der durch die Verfilmung von Philippe Djians Roman "37,2 le matin" ("Betty Blue") bekannt wurde. Der Dokumentarfilm über "Loft Story" bezieht sich laut Beneix auf die Randerscheinungen rund um die populäre TV-Sendung.

"Schlimmes Delirium"

Im Rahmen der heftigen Debatte über die Zulässigkeit einer Sendung dieser Art, die ganz Frankreich in zwei Lager spaltet, gehört Beneix zu den entschiedensten "Loft"-Befürwortern. Von der Sendung zu behaupten, dass sie eine "Welt der Konzentrationslager" darstelle oder einen "aufsteigenden Faschismus" widerspiegle, bezeichnete der Regisseur in einem Radioninterview für "France-Inter" als "schlimmes Delirium".

Beneix kritisierte jene, die eine "große Geringschätzung für das populäre Publikum und dessen Unterhaltung" an den Tag legen, "denn die autorisierte Kultur hat das Recht, mehr oder weniger zu machen, was sie will, während die populären Spiele anscheinend von den Tugendhaften gerügt werden müssen". "Weshalb soll das 'Volk' nicht Anrecht auf jene Bekanntheit haben, die zum Geld führt, während jene, die Geld haben, noch mehr Bekanntheit wollen und das Fernsehen benützen, um an die Macht zu gelangen?", fragte der Cineast.

Die TV-Sendung, bei der elf junge Leute neun Wochen lang unter dem wachsamen Auge der Kameras in einer Zwangswohngemeinschaft leben, erreicht in Frankreich rekordhafte Einschaltquoten von bis zu 8 Millionen Zusehern. In der "access prime time" von 19 bis 20 Uhr belegt der Sender M6 (Gruppe Bertelsmann) nunmehr den ersten Rang vor seinem direkten Konkurrenten TF1 (Gruppe Bouygues).

Die öffentliche Meinung in Frankreich ist dagegen gespalten. Einer SOFRES-Umfrage zu Folge empfinden die Franzosen die Sendung mehrheitlich als "nicht schockierend". Dennoch wollen 39 Prozent der Befragten, dass sie eingestellt werde und 14 Prozent, dass sie abgeändert werde. (APA)

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