Französisches "Big Brother" im Kino

28. Mai 2001, 17:01
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Jean-Jaques Beneix plant Doku und verteidigt "Loft Story"

Paris - Der französische Filmemacher Jean-Jacques Beineix hat bekannt gegeben, dass er einen Film zur Reality-TV-Sendung "Loft Story", der französischen Version von "Big Brother", dreht. "Es handelt sich um ein Phänomen, und jedes Phänomen verdient es, studiert zu werden", so Beneix, der durch die Verfilmung von Philippe Djians Roman "37,2 le matin" ("Betty Blue") bekannt wurde. Der Dokumentarfilm über "Loft Story" bezieht sich laut Beneix auf die Randerscheinungen rund um die populäre TV-Sendung.

Status der Kritiker: "schlimmes Delirium"

Im Rahmen der heftigen Debatte über die Zulässigkeit einer Sendung dieser Art, die ganz Frankreich in zwei Lager spaltet, gehört Beneix zu den entschiedensten "Loft"-Befürwortern. Von der Sendung zu behaupten, dass sie eine "Welt der Konzentrationslager" darstelle oder einen "aufsteigenden Faschismus" widerspiegle, bezeichnete der Regisseur in einem Radioninterview für "France-Inter" als "schlimmes Delirium".

Das Populäres wird von den Tugendhaften gerügt

Beneix kritisierte jene, die eine "große Geringschätzung für das populäre Publikum und dessen Unterhaltung" an den Tag legen, "denn die autorisierte Kultur hat das Recht, mehr oder weniger zu machen, was sie will, während die populären Spiele anscheinend von den Tugendhaften gerügt werden müssen". "Weshalb soll das 'Volk' nicht Anrecht auf jene Bekanntheit haben, die zum Geld führt, während jene, die Geld haben, noch mehr Bekanntheit wollen und das Fernsehen benützen, um an die Macht zu gelangen?", fragte der Cineast. (APA)

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