FC Kärnten im Rausch des Sieges

28. Mai 2001, 19:44
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Trainer Schachner kann es "nicht realisieren", seitens der Tiroler ist die Schmach schon "abgehakt"

Wien - Würde man im heimischen Fußball den "Rookie of Season" wählen, er hieße wahrscheinlich FC Kärnten. Meister der Ersten Division, Aufstieg in die max.Bundesliga nach zwölfjähriger Absenz im Oberhaus, Teilnahme am UEFA-Cup und als Draufgabe noch der erste Triumph im "Memphis"-ÖFB-Cup für das südlichste Bundesland. Die Klagenfurter sorgten am Sonntag Nachmittag im Wiener Happel-Stadion mit dem in der Verlängerung fixierten 2:1-Erfolg im Finale gegen Meister FC Tirol zum Abschluss der Saison für eine Sensation und löste nochmals einen Freudentaumel im Süden aus.

"Unglaublich, ich werde noch einzige Zeit brauchen, bis ich das alles realisiere", war nicht nur Trainer Walter Schachner nach dem vierten Final-Coup eines Erstdivisionärs entzückt und fragte die vielen Gratulanten, wie der Triumph in der zweiten Liga und im Cup nun bezeichnet werden solle. Er selbst schlug "kleines Double" oder "Super-Double" vor. Super war vor rund 7.000 Zuschauern sicherlich die Leistung seiner Truppe, die gegen den Favoriten bewiesen hat, dass sie ab dem Herbst in der max.Bundesliga in dieser Form eine Bereicherung sein kann.

Spiel ohne Druck

"Schokos" Mannen haben den Pokal stets als Nebensache betrachtet. "Wir haben immer ohne Druck gespielt und so war`s auch heute. Wir waren auch schon vor diesem Endspiel der Sieger, das war unser Vorteil", sagt der Steirer, der gewusst hatte: Wenn seine Mannschaft die Darbietung vom Admira-Spiel wiederholt, würde es auch im Finale klappen. Dass es wirklich zu einem "Happy End" kam, war der Disziplin, der Taktik und der Aggressivität sowie dem Weitschuss von Mario Steiner, der erst in der 75. Minute für Sablatnig eingewechselt worden war, zu verdanken.

"Mario ist ein Riesentalent, wurde immer sporadisch eingesetzt, erzielte kürzlich sein erstes Liga-Tor und hat auch in der Südstadt im Halbfinale das 3:2 vorbereitet", sagt Schachner über seinen Matchwinner, einen 18-jährigen Defensiv-Mann. Die 1:0-Führung hatte Roland Kollmann, mit 28 Toren Schützenkönig der Ersten Division, erzielt. An die Ausmusterung durch die Innsbrucker vor eineinhalb Jahren dachte der Goalgetter nicht zurück. "Ich wollte dort auf der Bank nicht versauern und bin daher eine Klasse tiefer gegangen", erzählt Kollmann.

Enttäuschung beim FC Tirol

"Das Ding ist abgehakt und erledigt, jetzt geht es in den Urlaub", ,meinte Radoslaw Gilewicz maßlos enttäuscht. Walter Kogler war da gesprächiger. "Wir wollten unbedingt gewinnen, haben aber nicht gut gespielt und kein Konzept gefunden. Kärnten war clever eingestellt und hat verdient gewonnen", sagte der Verteidiger.

Trainer Kurt Jara betrieb Ursachenforschung. "Wir haben alles versucht, waren 70 Prozent in Ballbesitz, haben jedoch nicht das gebracht, was wir uns vorgenommen haben", stellte der Meistermacher , dem das erste Innsbruck Double seit 1989 (Ernst Happel) nicht vergönnt war, fest. Viel mehr als die Niederlage ärgerten ihn die zwei Ausschlüsse. Der FC Tirol könne mit der Saison dennoch zufrieden sein, der Titel sei ihm lieber als der Cup. "Und jetzt wissen wir auch, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, dass wir in der nächsten Saison wieder hart arbeiten müssen." (APA)

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