"Lauter schwierige Patienten": Brecht, Böll und Co.

28. Mai 2001, 12:03
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Reich-Ranicki bespricht zukünftig tote Literatur-Klassiker

Baden-Baden - Aus dem populären "Literarischen Quartett" des ZDF wird beim Südwestrundfunk künftig ein Bücher-Duett. Gemeinsam mit SWR-Intendant Peter Voß widmet sich der bekannteste deutsche Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki vom Mittwoch, den 30. Mai (23.15 Uhr) an allerdings nicht den aktuellen Autoren, die sich aufs dünne Eis des Büchermarktes wagen. Vielmehr wollen die beiden unter dem Motto "Lauter schwierige Patienten" über diejenigen sprechen, die sich in der deutschen Literaturgeschichte bereits ihre Lorbeeren verdient haben - und nicht mehr zu den Lebenden zählen. Als erster steht Bertolt Brecht auf dem Programm, später folgen Heinrich Böll, Erich Kästner, Max Frisch, Ingeborg Bachmann und Elias Canetti.

Intendant Voß: "Ich bin der Gastgeber"

SWR-Intendant Voß, der bereits selbst Erfahrungen als Buch-Autor gemacht hat, will sich in den jeweils 45-minütigen literarischen Gesprächen keineswegs zurückhalten. "Er ist der Gast, ich bin der Gastgeber", erklärt Voß. Er greife ein, wenn er meine, dem Zuschauer müsse der eine oder andere Aspekt eingehender vermittelt werden.

"Im Mittelpunkt der Sendungen sollen aber die persönlichen Erlebnisse Reich-Ranickis stehen", kündigt Voß an. Gefragt sei sein Gast als Literatur- und Menschenkenner in seiner ganzen Subjektivität. "Also kein Disput unter Kritikern, sondern Personenbeschreibungen aus dem Blickwinkel eines Menschen, der die Literatur liebt und die Autoren erlebt hat", sagt Voß.

Vom "ich-bezogenen Karrieristen "Brecht, über den "Patienten" Böll und "Alkoholfreund" Kästner

Insgesamt sind sechs Folgen produziert, die beim SWR bis 4. Juli laufen. Der Sender Freies Berlin (B1) und 3sat strahlen die TV-Reihe zeitversetzt aus. Für den kommenden Herbst ist eine zweite Staffel mit persönlichen Erinnerungen des "Literaturpapstes" geplant. (APA/dpa)

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