FlowTex-Finanzchef Schmitz bleibt in U-Haft

28. Mai 2001, 11:42
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16 Milliarden Schilling Schaden Schneeballbetrugssystem Karlsruhe

Karlsruhe - Im milliardenschweren FlowTex-Betrugsskandal bleibt der Ex-Banker Karl Schmitz hinter Gittern. Das Oberlandesgericht Karlsruhe (OLG) ordnete wegen Fluchtgefahr und dringenden Tatverdachts die Fortdauer der U-Haft gegen den ehemaligen Finanzchef der FlowTex-Gruppe an. Dies teilten die Karlsruher Richter am Montag mit.

Der Prozess um den größten Wirtschaftskrimi der deutschen Nachkriegsgeschichte könnte laut Mannheimer Landgericht Ende September beginnen - wenn die Anklage gegen die vier Hauptverdächtigen zugelassen wird. Die FlowTex-Bosse Manfred Schmider und Klaus Kleiser sollen mit Hilfe von Schmitz und ihrer Ex-Geschäftspartnerin Angelika Neumann bei Leasing-Geschäften mit mehr als 3.000 nicht existenten Bohrsystemen einen tatsächlichen Schaden von knapp drei Mrd. DM (1,5 Mrd. Euro/21,1 Mrd. S) angerichtet haben.

Schneeballbetrugssystem

Die Rolle des ehemaligen Bankers Schmitz in dem Skandal bestand den Ermittlungen zufolge darin, dass er den monatlichen Geldbedarf der Ettlinger FlowTex-Gruppe von zuletzt 70 bis 80 Mill. DM abdeckte, um das Schneeballbetrugssystem aufrecht zu halten. Schmitz führte auch die Verhandlungen mit den Banken und Leasingfirmen, die die nicht existenten Bohrsysteme kauften. Das Oberlandesgericht kam zu dem Schluss, dass die Mannheimer Staatsanwaltschaft die Ermittlungen mit der gebotenen Beschleunigung geführt habe. Nächster Haftprüfungstermin bei den drei anderen Angeklagten ist der 19. Juni.

Das FlowTex-System funktionierte laut Anklage dergestalt, dass die Angeklagte Neumann über ihre Firma KSK die nicht existenten Bohrsysteme an die Leasinggesellschaften verkaufte. Die Milliardeneinnahmen überwies sie an die FlowTex Technologie GmbH & Co. KG, die die Bohrsysteme dann selbst leaste. Deswegen fiel den geprellten Leasingfirmen auch jahrelang nicht auf, dass der Großteil der Bohrsysteme überhaupt nicht existierte. Das Schneeballsystem führte aber auch dazu, dass FlowTex ständig neues Geld benötigte, um die Leasingraten begleichen zu können. (APA/dpa)

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