Wiener Grüne warnen vor bevorstehender Öffi- Fahrpreiserhöhung

28. Mai 2001, 17:35
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Laut Chorherr schon im September möglich

Wien - Vor einer bevorstehenden Erhöhung der Fahrpreise auf den Öffis in Wien hat heute, Montag, Grünen-Klubobmann Christoph Chorherr gewarnt. Es gebe "Pläne bei Teilen der SPÖ", den Preis des Einzelfahrscheins der Wiener Linien im Zuge der Euro-Umstellung möglicherweise schon im September von derzeit 19 S auf 20,6 oder sogar 22 S (1,5 bzw. 1,6 Euro) zu erhöhen, so Chorherr in einer Pressekonferenz. Die Grünen fordern dagegen eine Abrundung auf 1,3 Euro (17,9 S).

Auch bei den übrigen Tarifen stehen laut Chorherr Preissteigerungen bevor: Die Monatskarte soll 620 S statt bisher 560 S kosten, der Preis für ein 24-Stunden-Ticket soll von 60 auf 70 S steigen, jener für ein 72-Stunden-Ticket von 150 auf 180 S. Die Jahreskarte könnte in Zukunft zwischen 5.800 und 5.900 S kosten (derzeit kommt sie bei Barzahlung auf 5.200 S, bei monatlicher Abbuchung kostet sie 5.300 S). Dies sei "mehr als bloße Spekulation, wir haben gute Kontakte in verschiedene Bereiche der Stadtverwaltung, der Wiener Linien und der SPÖ", sagte Chorherr.

Nach der Aussage von Vizebürgermeister Sepp Rieder (S) im Gemeinderat vom vergangenen Mittwoch, es werde drei Monate vor und nach der Euro-Einführung am 1. Jänner 2002 keine Änderungen bei den Tarifen geben, zeichnen sich für Chorherr zwei Erhöhungs-Szenarien ab: "Entweder es gibt noch im September eine saftige Erhöhung und danach eine Abrundung, oder die Preise werden erst nach der Euro-Einführung erhöht."

Für Chorherr hätten solche Maßnahmen katastrophale Auswirkungen: "Wenn der Preis eines Angebots steigt, dann sinkt die Nachfrage." Der Verkehr würde sich verstärkt auf das Auto verlagern, besonders, weil im Gemeinderat gerade erst die Parkschein- und Parkpickerltarife um acht Prozent auf einen runden Euro-Wert abgesenkt worden seien.

Ähnliches fordern die Grünen nun auch für den öffentlichen Verkehr: Sie wollen den Preis für den Einzelfahrschein auf 1,3 Euro (17,9 S) abrunden. Dies sei zwar noch immer um 27 Prozent mehr als im Jahr 1991 (damals kostete der Einzelfahrschein 14 S). Es entspräche aber in etwa der Steigerung des Verbraucherpreisindex, der sich in den vergangenen zehn Jahren um rund 25 Prozent erhöht habe. Der derzeit gültige Preis von 19 S bedeute dagegen ein Plus von 35,7 Prozent gegenüber 1991, ein Fahrschein um 21 S wäre sogar um 50 Prozent teurer als vor zehn Jahren.

Sollte es von Seiten Rieders und des Bürgermeisters Michael Häupl (S) keine klare Absage an solche Erhöhungen geben, will Chorherr die Wiener mit einer Informationskampagne mobilisieren: "Ich weiß, dass ich bei diesem Thema 95 Prozent der Wiener auf meiner Seite habe." Doch auch innerhalb der SPÖ gebe es in dieser Frage keineswegs einen Konsens. Die Letztverantwortung trage jedenfalls der Bürgermeister. Und der habe ja im Wahlkampf beständig vor Tariferhöhungen und Belastungen durch den Bund gewarnt, gab sich Chorherr süffisant. (APA)

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