Psychotherapeut wendet sich gegen Hypnose-Shows im TV

28. Mai 2001, 11:44
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"Versuchspersonen können schwere Psychosen davon tragen"

Darmstadt - Für ein Verbot von Hypnose in TV-Shows hat sich der Bochumer Psychotherapeut Hans-Christian Kossak ausgesprochen. Die Therapieform Hypnose sei zu ernsthaft und zu gefährlich, um sie als Volksbelustigung zu missbrauchen, sagte der Hypnose-Fachmann am Sonntag in Darmstadt. "Bei den Vorführungen im Fernsehen oder in Festzelten werden die Versuchspersonen nicht nur bloß gestellt und lächerlich gemacht, sondern können auch schwere Psychosen davon tragen."

In den meisten Fällen bestehe die so genannte Showhypnose nur aus Zaubertricks wie Feuerlaufen. "Allerdings wird auch echte Hypnose angewandt, und dann wird es gefährlich", warnte Kossak. Denn wie bei jeder medizinischen Methode zähle die Ausbildung und Erfahrung des Therapeuten. Durch Anwendungsfehler könnten massive psychische und physische Schäden entstehen. "Solche Fälle werden immer wieder bekannt, oft treten sie auch erst mit mehrtägiger Verzögerung auf." In Schweden und Israel sei diese Art der Unterhaltung deshalb verboten worden.

Seriöse Methode

Durch den Missbrauch werde auch die Wissenschaft der Hypnose in Misskredit gebracht. "Nach den neuesten Effektivitätsforschungen zur Psychotherapie wird Hypnose neben der Verhaltenstherapie zu den fünf erfolgreichsten Psychotherapieverfahren gerechnet", betonte Kossak. Dies gelte sowohl für die Behandlungsdauer als auch für die Langzeitstabilität der Heilungen. Mit Hilfe der Hypnose könnten zahlreiche psychologische und ärztliche Behandlungen leichter und wirkungsvoller vorgenommen werden, vor allem im Bereich der Psychosomatik und der Schmerztherapie.

Die Forschung zeige, dass niemand gegen seinen Willen hypnotisiert werden könne. "Wenn sich Versuchspersonen bei öffentlichen Veranstaltungen ausgeliefert und hilflos fühlen, dann ist das meist eine Folge des Gruppendrucks oder die suggestive Kraft des Showhypnotiseurs", erläuterte der Therapeut. Hypnotisierbarkeit sei eine "individuelle mentale Fähigkeit zur Imagination". Der Therapeut besitze keine Macht über den Patienten, stellte Kossak klar. "Er nutzt nur die Methode der Hypnose, um gemeinsam mit dem Patienten die Ursachen seiner Erkrankung herauszufinden." (APA/dpa)

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