China: Baumpflanzung statt Begräbnis

29. Mai 2001, 15:17
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Änderung der Tradition eine landwirtschaftliche Notwendigkeit

Peking - Wegen der Beerdigung Verstorbener wird in China der Boden knapp: Anstatt ihre Toten zu vergraben, gehen deshalb nach Presseberichten immer mehr Menschen dazu über, Bäume über die verstreute Asche ihrer Lieben zu pflanzen. Die Änderung im traditionellen Brauchtum diene nicht nur dem Umweltschutz, sondern auch der Erhaltung von knappem Land.

Vor allem in Großstädten würden Baumpflanzungen zum Gedenken an Verstorbene immer beliebter. Allein in Shenyang stellen Baum-Begräbnisse mittlerweile die Hälfte aller Bestattungen. Seit 1990 seien in der nordostchinesischen Metropole 50.000 Verstorbene mit einem eigenen Baum bedacht worden. In Peking werden für die kommenden zehn Jahre jährlich 10.000 Baum-Bestattungen erwartet.

Das 1,3-Milliarden Menschen zählende Land leidet immer mehr an Bodenknappheit. Da die Bevölkerung zudem immer älter wird, werden Bestattungen zunehmend zu einem Umweltproblem. "Wenn wir mit Erdbestattungen so weiter machen, wird es bald einen Konflikt über die Nutzung von Land für Lebende oder Verstorbene geben", sagte ein Friedhofsbetreiber. Amtlichen Statistiken zufolge verbieten immer mehr Städte Erdbestattungen. In einigen Städten seien Familien sogar gezwungen worden, ihre Toten wieder auszugraben und zu verbrennen, um den Boden für Baumaßnahmen oder Landwirtschaft nutzen zu können. (APA)

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