Mit der Elite plaudern

28. Mai 2001, 10:43
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Das 31. ISC-Symposium in St. Gallen unter dem Motto "Gleichgewicht der Macht"

Jedes Jahr im Mai findet an der Universität St. Gallen das dreitägige ISC-Symposium statt, an dem neben 700 Führungskräften aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik jeweils 250 Studenten aus aller Welt teilnehmen. Warum viele von ihnen Jahr für Jahr im Mai die Reise zum ISC-Symposium antreten? Es ist die Chance auf ungezwungenen Gedankenaustausch und Networking zwischen den Mächtigsten dieser Welt und jenen, die ihnen früher oder später in diese Positionen nachfolgen werden.

"New Balance of Power"

In diesem Jahr stand das Thema "New Balance of Power" auf dem Programm der dreitägigen, von einem Studentenkomitee organisierten Veranstaltung.

Vorträge

Donald Soderquist, Vorstandsmitglied von Wal-Mart, dem nach eigenen Aussagen zweitgrößten Unternehmen der Welt, erklärte den Aufstieg seines Konzerns mit dessen ethischer Grundlegung: In 20 Jahren hat sich Wal-Mart von einem 1,3-Mrd.-US-$- (Umsatz 1979/80) zu einem 191,3-Mrd.-US-$-Unternehmen (2000/01) entwickelt. Vor staunendem Publikum nannte Soderquist den Glauben an Gott sowie die Orientierung an ewig gültigen Werten wie Liebe, Wahrheit, Ehre, Glaubwürdigkeit und Integrität für den Unternehmenserfolg verantwortlich. Diese Ausrichtung brächte treue Kunden, engagierte Mitarbeiter und nachhaltigen Erfolg.

Mit der tickenden Zeitbombe "demographische Entwicklung" setzte sich der Unternehmer Klaus Jacobs (Jacobs Holding/Adecco) auseinander. Der effizienten Vermittlung beruflicher Fähigkeiten müsste eine flexible Ruhestandslösung für ältere Menschen gegenüberstehen.

Die Werbetrommel für die "neue" Anti-Trust-Politik rührte Alexander Schaub, der EU-Chefbeamte für Wettbewerb. Der promovierte Jurist strebt eine Art wettbewerbspolitische Kulturrevolution an, eine Anti-Trust-Politik, in der die Eigenverantwortlichkeit der EU-Mitgliedstaaten gestärkt werden soll.

Kräfteverhältnisse

Am zweiten Symposiumstag haben sich die Teilnehmer mit dem Kräfteverhältnis zwischen Wirtschaft, Politik und NGOs auseinander gesetzt. Thilo Bode, von 1995 bis 2001 Geschäftsführer von Greenpeace International, wies auf den im Zuge der Globalisierung enorm gewachsenen Einfluss der Wirtschaft auf Gesellschaft und Politik. Parallel dazu sei auch die Bedeutung der NGOs gestiegen, ohne deren Druck in der Vergangenheit viele internationale Verträge, wie etwa die Landminen-Vereinbarung und die Schaffung des internationalen Kriegsverbrechertribunals nicht zustande gekommen wären.

Am letzten Tag des Symposiums ging es um Nachhaltigkeit und die Möglichkeiten eines umweltschonenden Wachstums. Die zielführende Frage laute nicht "Wachstum, ja oder nein?", sondern vielmehr "Welches Wachstum ist erstrebenswert?", so der Tenor der Diskutanten.

In seiner Abschlussrede bezeichnete der estnische Staatspräsident Lennart Meri die Zunahme der Zahl der Kleinstaaten als Barometer des europäischen Gleichgewichts. (DER STANDARD, Print-Ausgabe)

1000 internationale Teilnehmer tauschten vergangene Woche im Universitätsstädtchen St. Gallen Gedanken zum "Gleichgewicht der Macht" aus. Vom 31. ISC-Symposium berichtet Johanna Zugmann.
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