ORF: "Subventionen" und "Kostenzuschüsse"

29. Mai 2001, 18:22
posten

Interner ORF-Prüfbericht für 2000 malt ein ziemlich gediegenes Bild

Bei den Wachauer Journalistentagen sagte Gustav Jandek, wie kommerziell der ORF ist. Als Exchefredakteur des Massenblatts Bild sollte er das wissen: "Ö3 ist größter kommerzieller Sender Europas."

Die Bilanz für 2000 dazu: 1,168 Milliarden Schilling (85 Mio. EURO) aus Radiowerbung, fast zur Gänze aus Ö3. Stete ORF-Replik: Ö3 finanziere Öffentlich-Rechtliches wie Ö1.

Jamek erklärt auch, ORF-Fernsehen unterscheide sich kaum von privatem. Wolfgang Lorenz, oberster Programmplaner: "Wir müssen Geld verdienen, um Qualitätsprogramm anbieten zu können."

Gerald Grünberger vom Medienstaatssekretariat beruhigt: "Dem ORF wird nichts an Gebühren genommen, die Werbezeit nicht eingeschränkt." Dazu die ORF-Bilanz: Obwohl die TV-Werbezeit von 1999 auf 2000 gleich blieb, stieg ihr Umsatz um 260 Millionen. Von 2000 auf 2001 wurden aus 35 Werbeminuten 42 pro Tag und Kanal.

"Sonderwerbeformen sind weiter möglich", ergänzt Grünberger. Nur: "Der ORF hat Grauzonen im Gesetz ausgenutzt." Die es mit "Präzisierungen" bei Product Placement und Unterbrecherwerbung zu bereinigen gelte.

Details aus der ORF-Finanzierung liefern die Bilanzprüfer: An "Kostenvergütungen und Subventionen vom Bund und anderen Körperschaften" finden sich dort (abgesehen von künftig entfallenden 103 Millionen für Radio Österreich International) 38,63 Millionen Schilling - von Ministerien, Landesregierungen, Apothekerkammer und Gebietskrankenkassen.

An "Produktionskostenzuschüssen" für TV und Radio finden sich 515 Millionen. Solche Zuschüsse erbitten etwa Landesstudios gerne von Veranstaltern für Unkosten der Berichterstattung. Zudem zahlt etwa bei "Frisch gekocht" Miele mit, bei "Miniversum" eine Wild Republic GmbH, bei "Videogames Features" eine Dynamic Systems.

Gleich neben diesem Posten stehen unter "übrige Umsatzerlöse" 177 Millionen aus der "medialen Unterstützung Österreichische Lotterien" für die Ausstrahlung von Ziehungen und Ergebnissen. An den Lotterien ist der ORF beteiligt und weist als Ertrag aus diesen sechs Prozent 18 Millionen aus. Beeindruckend: "Aus Gesellschaftsmitteln" wurde das Lotto-Stammkapital zudem um satte 286,7 Millionen aufgestockt.

Die 50-Prozent-Beteiligung am Wettertourismussportkanal TW1 scheint bei den Erträgen nicht auf; weitere neun Millionen dafür mussten "wertberichtigt" werden.

Der Vermarktungstochter Enterprise weist man nach fast 60 Millionen '99 heuer keine Erträge aus. An die Enterprise zahlt man 51 Millionen für "Erlösschmälerungen" durch "Kooperationsgeschäfte" des ORF selbst; für Vermarktung von TV, Radio und Werbering Ö3-Plus gibt es weitere 135 Mio. Provision. Ein eigener Bericht der Wirtschaftsprüfer über Enterprise, Gebühreneinhebung und Beschaffung im ORF folgt im Herbst.

Beim fast völligen Ausstieg aus A-Online erlöste der ORF laut Bilanz 107 Millionen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.5.2001)

Dienstag soll jenes ORF-Gesetz den Ministerrat passieren, von dem der Küniglberg zumindest bisher massive Einbußen erwartete. Der dem Standard vorliegende interne ORF-Prüfbericht für 2000 malt ein ziemlich gediegenes Bild, berichtet Harald Fidler.
Share if you care.