Ein "geborener Versöhner" für den Nahen Osten: William J. Burns

27. Mai 2001, 20:27
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Wahre Lobeshymnen eilen dem neuen amerikanischen Nahost-Sondervermittler, William J. Burns, voraus, er wird alle seine Vorzüge für seine Aufgabe in dieser vielleicht schwierigsten Phase der letzten Jahrzehnte brauchen können: Mit nur 45 Jahren ist Burns doch schon ein Nahost-Veteran, seinen ersten Posten im Außenamt hatte er 1982 bis 1984 in Amman inne, wohin er 1998 als Botschafter zurückkehrte. Dort wird man ihn vermissen: Zu König Abdullah soll er ein besonders gutes Verhältnis haben. Ein amerikanischer Missionschef ist ja auch nicht gerade eine unwichtige Person in Jordanien. Und Arabisch spricht er auch (und nebenbei auch Französisch und Russisch).

Mehr als alle Qualifikationen und seine zahlreichen Posten und Aufgaben in seiner 19-jährigen Diplomatenkarriere fallen aber die Beschreibungen seines Auftretens auf: Bescheidenheit, ja Demut, die sich in der ständig wiederholten Versicherung manifestieren, dass die USA im Nahen Osten die Weisheit nicht gepachtet haben. Seine sanfte Art - trotz martialischen Schnurrbarts, der ganz gut in die arabische Welt passt - ist eine einzige Absage an autoritäre Ansprüche des "Maklers" USA. Das US-Engagement an und für sich sieht Burns aber als "Notwendigkeit und nicht als Option", wie er anlässlich seiner Nominierung sagte.

Übrigens ist er auch gleich als Leiter der Abteilung Naher Osten und Nordafrika im US-Außenministerium vorgesehen, zwei Aufgaben, die in den letzten Jahren immer getrennt besetzt wurden. Hinter vorgehaltener Hand werden Zweifel geäußert, ob beides überhaupt vereinbar ist - und was es bedeuten könnte, dass US-Präsident George W. Bush beziehungsweise sein Außenminister Colin Powell dem Diplomaten Burns beide Jobs aufhalsen wollen: Sparmaßnahmen (die angekündigte Reduktion von Sondergesandten) oder eben doch, dass ein Bush-Nahost-Sondergesandter sich nicht so zu engagieren braucht wie einer der Clinton-Administration.

Man wird ja sehen. Die Abgründe von israelisch-palästinensischen Verhandlungen hat Burns 1998 bei den Verhandlungen in Wye Plantation, den letzten, an denen König Hussein von Jordanien teilnahm, gut kennen gelernt. Dennis Ross, der den Job unter Clinton machte, beschreibt ihn als "geborenen Versöhner". Illusionen macht sich Burns laut eigenen Aussagen keine. Das Wichtigste sei, das Blutvergießen zu stoppen, aber das sei erst der Beginn.

Burns, der Geschichte in Philadelphia und - mit Doktorat abgeschlossen - Internationale Beziehungen in Oxford studiert hat, stammt aus einer Offiziersfamilie. Er ist mit einer Diplomatin verheiratet, Lisa Carty, sie haben zwei Mädchen. Wenig ist über seine Hobbys und Vorlieben bekannt, früher einmal, in seiner Universitätszeit, war er ein begeisterter Basketballspieler. (DER STANDARD, Print, 28.5.2001)

Gudrun Harrer
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