Und täglich grüßt die Seite 5

27. Mai 2001, 21:50
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Galerienrundschau in Wien und Peuerbach

Im Öberösterreichischen, genauer im schönen Städtchen Peuerbach, arbeitet seit vielen Jahren schon die Galerie Pimmingstorfer daran, zeitgenössische Kunst auch jenseits der Metropolen unter das Volk zu bringen. Arnulf Rainer, Kurt Kocherscheidt und Oliver Dorfer waren unter vielen anderen dort mit Einzelausstellungen vertreten. Nach Erich Pimmingstorfers Tod setzt nun seine Frau Angelika das erfolgreiche Unternehmen fort: Derzeit präsentiert sie feine Pastellkreidezeichnungen von Ingrid Kowarik, Dietmar Brehms "Job - Malerei + Zeichnung" und "Echo V - Collaboration", Gemeinschaftsarbeiten der beiden.
4722 Peuerbach, Brunnenfeldgasse 20, (07276) 23 90 20. Bis 7. Juli

Gottfried Ecker installiert in der Galerie Chobot seine Miniaturen zur menschlichen Existenz. Er hält seine kleinen Gestalten aus Balsaholz im labilen Gleichgewicht von Ironie und Tragik. Jede einzelne könnte Hauptdarsteller einer nicht näher definierten Anekdote sein. Wie in seinen Zeichnungen und Malereien auch, findet Ecker seine Motive in der Banalität des Alltags. Erst durch die Aufmerksamkeit der Erzählung gewinnen die Figuren an "Tragik". Und das entbehrt, etwa beim Finnen, der vorne überkippt, nicht der Komik. Man könnte jetzt auf die Idee kommen, Alberto Giacometti hätte einen zum Nudismus neigenden Skispringer beobachtet und sich gleichzeitig der Sockelproblematik in der Skulptur des 20. Jahrhunderts erinnert.
1010 Wien, Domgasse 6, (01) 512 53 32 Eröffnung: Di 29. Mai, 19 Uhr. Bis 29. Juni

Ebenfalls am Dienstag eröffnet Jutta Strohmaier ihre Präsentation bei Hohenlohe & Kalb. Ihre Fotos suchen sich der Frage zu nähern, wo denn nun der reale Raum aufhört und der imaginierte beginnt. Material und Gedächtnis sind untrennbar verwoben. Die neuen Technologien nähren das üppige Dickicht.
1010 Wien, Bäckerstraße 3, (01) 512 97 20 Eröffnung: Di 29. Mai, 19 Uhr. Bis 13. Juli

Walter Schmögner zeigt in der Galerie Hofstätter die Früchte aus 21 Jahren "Frühstücksarbeit". Sein Tagwerk beginnt mit der beliebten Seite 5 der Kronen Zeitung. Die künstlerisch immer recht anspruchsvollen Akte kann er einfach nicht retuschiert stehen lassen. Denn: Vordergründig sehen wir die verlängerten Fantasien von Herrn Jedermann, wenn er die tägliche Dame in der Kronen Zeitung betrachtet. Diese steht immer auf einer Seite mit Chronikalem, und immer rechts außen. Die Nackte in der Werbung fängt den Blick, um ihn mit einer Werbebotschaft zu verknüpfen. Welche Botschaft transportieren die Mädel?
1010 Wien, Bräunerstraße 7, (01) 512 32 55. Bis
30. Juni

(mm/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 5. 2001)

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