Wieder Proteste gegen Temelín

27. Mai 2001, 19:44
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Van der Bellen verteidigt Grenzblockaden von AKW-Gegnern

Linz/Wien - Rund 200 Gegner des tschechischen AKW Temelín blockierten Sonntagnachmittag erneut den Grenzübergang Wullowitz nördlich von Freistadt in Oberösterreich. Die Gendarmerie war überrascht, denn eigentlich war eine Protestaktion beim 30 Kilometer entfernten Grenzübergang Weigetschlag angekündigt gewesen. Bis zum Abend kam es zu keinen Zwischenfällen.

Rückendeckung erhielten die Demonstranten vom Bundessprecher der Grünen, Alexander Van der Bellen. In der ORF-"Pressestunde" verteidigte der Politiker Grenzblockaden heimischer Atomgegner. Dahinter stünden Menschen, "die verzweifelt sind", weil sie in unmittelbarer Nähe zu Temelín im nördlichen Oberösterreich leben. Ohne Blockaden wäre das Problem überhaupt ignoriert worden, ist Van der Bellen überzeugt.

Die Aktionen hätten den Melker Prozess erst eingeleitet. Dieser sei aber gescheitert, weil die darin festgehaltene Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) für ein derartiges AKW ein "ungeeignetes Instrument" sei.

Wie berichtet, haben sich Deutschland und nicht staatliche Organisationen aus der UVP zurückgezogen. Trotzdem versicherte der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder am Wochenende bei seinem Wien-Besuch, dass Deutschland und Österreich auch in der Angelegenheit Temelín gemeinsame Interessen verfolgten. Bei einem Treffen mit Schröder sagte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der Melker Prozess werde weiterhin sowohl von Deutschland als auch von der Europäischen Kommission unterstützt. Der Probebetrieb in dem Atomkraftwerk ist nach andauernden Problemen mit einer Turbine derzeit unterbrochen. (APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.05.2001)

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