Kommission prüft Großpleite

28. Mai 2001, 12:42
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Private Investors mit 140 Millionen Schilling Verbindlichkeiten

Prag - Wenige Tage nachdem mit Private Investors (PI) einer der erfolgreichsten tschechischen Wertpapierhändler Pleite gegangen ist, herrscht immer noch großes Rätselraten über die Ursachen des schnellen Falls. Am vergangenen Montag hat die PI-Führung ihren Anlegern und der Öffentlichkeit überraschend mitgeteilt, die Gesellschaft sei wegen der schlechten Entwicklung auf dem US-Aktienmarkt nicht mehr in der Lage, ihre Verpflichtungen einzuhalten, und sei bankrott.

Übrig geblieben sind Verbindlichkeiten in Höhe von 350 Millionen Kronen (knapp 140 Millionen S, zehn Millionen EURO) und rund 2000 enttäuschte Aktienbesitzer. Ihnen steht nun laut Gesetz eine Entschädigung in Höhe von 90 Prozent ihrer Anlage, maximal 400.000 Kronen, zu.

Seit Ende der 90er-Jahre war PI die größte tschechische Gesellschaft, die sich auf den Handel mit US-Aktien konzentrierte. Vor allem der rasante Kursanstieg bei den Technologiewerten aus dem Bereich der New Economy lockte damals viele tschechische Anleger. Allein in den Jahren 1999 bis 2000 stieg die Zahl der Anleger bei PI um 220 Prozent. Das erlaubte der Gesellschaft mit 80 Angestellten schnell zu expandieren.

Verdacht auf Bereicherung

Das Ende von PI kam umso überraschender, als noch im Februar dieses Jahres von der Firmenleitung durchaus optimistische Zahlen präsentiert wurden. So hatte PI laut dem veröffentlichten Geschäftsbericht im Vorjahr einen Reingewinn von elf Millionen Kronen erwirtschaftet - Tendenz steigend.

Seit Dienstag prüft nun die tschechische Wertpapierkommission die Finanztransfers von PI in den vergangenen Wochen und Monaten. Es wird vor allem dem Verdacht nachgegangen, die PI-Manager könnten sich auf Kosten der Anleger bereichert haben, wie bei mehreren tschechischen Banken in der Vergangenheit geschehen.

Die PI-Firmenleitung bestreitet das jedoch vehement und wiederholt, dass für die Pleite ausschließlich die Talfahrt der US-Technologieaktien verantwortlich sei. Die Anleger sollen durch den Verkauf von Aktien entschädigt werden. (Robert Schuster, DER STANDARD, Printausgabe 28.5.2001)

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