Parawissenschaften versus "klassische" Wissenschaft

28. Mai 2001, 21:53
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Rückzug des Okkulten - "der Markt hat sich verlaufen"

Roßdorf - Die "klassischen" Parawissenschaften wie Astrologie, Okkultismus, Wahrsagerei und Ufologie sind nach Einschätzung von Kritikern auf dem Rückzug. "Nachdem der angekündigte Weltuntergang zur Jahrtausendwende nicht eingetroffen ist, hat sich der Markt für solche Themen sichtbar verlaufen", sagte Amardeo Sarma, Vorsitzender der deutschen Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Die Jahreskonferenz der Gesellschaft ging am Samstag in Roßdorf zu Ende.

Die esoterische Literatur stürze sich jetzt auf andere Themen, vor allem auf Gesundheit und Fitness. Die GWUP werde sich deshalb in den kommenden Monaten vor allem mit alternativer Medizin beschäftigen. Auf diesem Gebiet werde großer Schaden angerichtet, da Krankheiten häufig nicht erkannt oder falsch behandelt würden. Außerdem bestehe ein großer Informationsbedarf. "Viele Patienten, die zum Heilpraktiker gehen, wissen nicht, nach welchen zum Teil zweifelhaften Methoden die Homöopathie arbeitet", sagte Sarma. Allerdings sollten auch die wissenschaftlichen Grundlagen der Schulmedizin hinterfragt werden.

Widerlegen ...

Bei ihrer Jahrestagung hatte sich die GWUP erstmals mit Geschichte beschäftigt. Auch hier gebe es etliche pseudowissenschaftliche Elemente. Die Spanne reiche von den religiös motivierten Kreationisten, nach denen die Welt vor 10.000 Jahren von Gott erschaffen wurde, ... bis zu Holocaustleugnern. "Wir dürfen solche Ansichten nicht verbieten oder voreilig als Unsinn abtun, sondern müssen sie Schritt für Schritt mit Argumenten widerlegen" sagte Sarma, eine durchaus nicht unbedenkliche Aussage. Die Wahrheitsfindung in den Geschichtswissenschaften sei allerdings viel schwieriger als bei Naturwissenschaften, da die Fakten nicht immer eindeutig seien. Dennoch gebe es Methoden, mit denen Forscher der Realtität sehr nahe kommen könnten.

Die GWUP besteht seit 1987 und will das kritische Denken fördern. Inzwischen zählt die Gesellschaft 620 Mitglieder aus Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland. (APA/dpa)

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