Teddy Kollek wird 90: "Jetzt will ich auch noch Hundert werden"

29. Mai 2001, 08:10
posten

Jerusalems Altbürgermeister will Hoffnung auf friedliches Miteinander von Juden und Arabern nicht aufgeben

Jerusalem - Selten zuvor ist einem israelischen Politiker so viel Ehre zuteil geworden wie dem in Wien aufgewachsenen Teddy Kollek. Zu seinem 90. Geburtstag an diesem Sonntag plant die Stadt Jerusalem für ihren langjährigen Bürgermeister ein festliches Konzert "for Teddy", das vom TV-Sender 3SAT live (20.15) europaweit übertragen wird. Doch Kollek, der für seine auf Ausgleich zwischen Juden und Araber bedachte Politik auch mit dem deutschen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, sieht seinem Freudentag auch "mit etwas Wehmut" entgegen.

Der blutige Konflikt zwischen Juden und Palästinensern, den er immer vermeiden wollte, erfülle ihn "mit Zorn und Trauer", sagte er der dpa. Doch die Hoffnung auf ein friedliches Miteinander will Teddy (Theodor) Kollek nicht aufgeben. "Im Gegensatz zu den meisten Leuten habe ich immer geglaubt, dass es sehr lange dauern wird, bis beide Völker miteinander leben können".

Seit Kollek 1967 nach der Eroberung von Ost-Jerusalem im Sechs- Tage-Krieg Bürgermeister des "wiedervereinigten Jerusalems" wurde, arbeitete er für ein harmonisches Zusammenleben der unversöhnlichen Bevölkerungsgruppen in der Stadt. Dabei ließ er jedoch nie einen Zweifel daran, dass Jerusalem die "ewige, vereinigte Hauptstadt Israels" bleiben sollte, in der das arabische Bevölkerungsdrittel lediglich weitgehende Selbstverwaltung erhalten sollte.

Der Sohn eines Bankiers, der 1911 in der Nähe von Budapest geboren wurde, sagt zur Begründung: "Es gibt so viele Dinge, die in einer großen Stadt gemeinsam erledigt werden müssen, dass eine Teilung unsinnig wäre". Dennoch "wäre es für mich keine Katastrophe mehr, wenn wir heute die Souveränität über die Stadt mit den Palästinensern teilen müssten". Mehr denn je ist Kollek inzwischen auch gegen die Ausweitung der Stadtgrenzen und den Bau jüdischer Siedlungen auf Palästinenserland. Erst vor wenigen Tagen unterzeichnete er deshalb einen Aufruf, in dem er und zahlreiche prominente Linke einen Baustopp für jüdische Siedlungen forderten.

Kollek, der 1935 mit seiner Familie nach Palästina auswanderte, wurde drei Jahre später Mitglied der Organisation "Hechaluz" (Der Pionier). Für sie reiste er während des Zweiten Weltkriegs in geheimer Mission nach Europa, um Juden vor den Nazis zu retten. 1940 wurde er Mitarbeiter der Einwanderungsbehörde "Jewish Agency", wechselte nach der Staatsgründung ins Außenministerium, wurde Botschafter in den USA und 1952 Direktor des Büros von David Ben-Gurion, Israels erstem Ministerpräsidenten. 1965 war er Bürgermeister des jüdischen Teils von Jerusalem geworden und blieb an der Spitze der Stadt bis zu seiner Abwahl 1993. Bis heute arbeitet der alte Herr an vier Tagen der Woche für die von ihm gegründete Jerusalem Stiftung, die die Verständigung zwischen den Völkern fördern will.

"Ich hätte mir nie vorgestellt, dass ich jemals 90 Jahre alt werde", meint der Jubilar schmunzelnd. Aber jetzt will ich noch Hundert werden. Dann hoff' ich auf noch mehr (Geld)-Geschenke für meine Stiftung."

Am kommenden Dienstag wird Kollek die Ehrenbürgerschaft der Stadt Wien verliehen. Die Überreichung der Urkunde wird Wiens Alt-Bürgermeister Helmut Zilk im Rahmen einer Feier in Jerusalem vornehmen. Zahlreiche Prominente haben ihre Teilnahme an dem feierlichen Abendessen auf dem Gelände des Jerusalemer Tiergartens zugesagt. Aus Wien werden neben Zilk und dessen Frau Dagmar Koller der Restitutionsbeauftragte und frühere Stadtschulratspräsident Kurt Scholz sowie der Vertreter der Jerusalem Foundation in Wien, Peter Weiser, erwartet. Zilk wird an Kollek auch eine Projektförderung für ein gemeinsames Zentrum von israelischen und arabischen Jugendlichen in Jerusalem überreichen. Damit solle ein Zeichen der Hoffnung gesetzt werden. (APA/dpa)

Share if you care.