Powell schmeichelt Gastgebern

27. Mai 2001, 21:00
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US-Außenminister beendet Afrika-Tour mit Hilfszusagen

Bisher hatte sich in Afrika kaum jemand etwas Gutes von der neuen Regierung in Washington erwartet: Präsident George W. Bush zeige keinerlei Interesse an den Problemen Afrikas, hieß es zu Beginn seiner Amtszeit, der Kontinent werde in der amerikanischen Außenpolitik in die Bedeutungslosigkeit verdammt. Colin Powell aber, der US-Außenminister und Afro-Amerikaner, hat auf seiner Afrika-Tour keine Gelegenheit ausgelassen, diese Befürchtungen zu zerstreuen.

"Der Präsident hat mich zu dieser Reise ermutigt", hatte Powell auf die Fragen skeptischer Journalisten nach seinem Treffen mit dem südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki in Pretoria geantwortet, "er ist sehr, sehr interessiert zu hören, was ich nach meiner Rückkehr berichten werde." Die Gastgeber fühlten sich geehrt. Dass Powell bereits in den ersten hundert Tagen seiner Amtszeit nach Afrika reist, erfüllt sie mit Stolz und Optimismus. Powell, dessen Eltern afrikanische Einwanderer sind, hatte seine Tour Mitte der Woche im westafrikanischen Mali begonnen, reiste anschließend nach Südafrika und Kenia und ist am Sonntag zum Abschluss in Uganda eingetroffen.

Aids und Konflikte

Vor allem um zwei Themen ging es bei seiner Reise: Aids und die Konflikte im Kongo, im Sudan, in Sierra Leone und Angola. In Südafrika erklärte Powell, er habe volles Vertrauen in die umstrittene Aids-Politik von Präsident Mbeki. Der habe das Problem "voll erfasst" und tue "alles, was möglich ist", um die Seuche einzudämmen. Powell besuchte auch ein mit US-Spenden finanziertes Aidszentrum im größten südafrikanischen Township Soweto. 200 Millionen Dollar will die US-Regierung für den von UN-Generalsekretär Kofi Annan vorgeschlagenen Aids-Fonds zur Verfügung stellen. 25 Millionen Afrikaner sind mittlerweile von Aids betroffen.

Als Beweis für die Unterstützung, die Afrika nun von US-Präsident Bush erhielte, führte der amerikanische Außenminister ein Abkommen für Wachstum und Chancengleichheit in Afrika an, das 35 afrikanischen Staaten den Zugang zu den amerikanischen Märkten erleichtern soll. Anfang Oktober hat Bush zudem zu einem Afrika-Gipfel nach Washington geladen.

Mit Mali, Südafrika, Kenia und Uganda hat sich Powell zudem vier Staaten ausgesucht, die wichtige Vermittlerrollen in den regionalen Konflikten des Kontinents spielen. Sudans Regierung forderte der US-Außenminister auf, Hilfslieferungen an die Opfer des Bürgerkriegs zuzulassen. Gleichzeitig haben die USA der Opposition drei Millionen Dollar Hilfe zugesagt. (DER STANDARD, Print, 28.5.2001)

STANDARD-Korrespondentin Susanne Bittdorf aus Johannesburg
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