Schwere Gefechte in Mazedonien halten an

27. Mai 2001, 15:31
1 Posting

Minister kündigen Kampf bis zur Vertreibung der Rebellen an

Skopje - Albanische Separatisten und mazedonische Truppen haben sich am Wochenende erneut schwere Gefechte geliefert. Das staatliche mazedonische Radio meldete am Sonntag, die Kämpfe um die Orte Matejce und Slupcane hätten die gesamte Nacht angehalten. Armee und Polizei setzten Kampfhubschrauber und schwere Artillerie ein, die Rebellen antworteten mit Maschinengewehrfeuer und Mörserbeschuss. Am Sonntagvormittag beruhigte sich die Lage. Über Opfer wurde zunächst nichts bekannt.

Die Rebellenhochburg Vaksince und die Dörfer Lojane und Rudnicka Kolonija seien seit Freitag unter Kontrolle der Sicherheitskräfte, teilte die Polizei mit. Die Albaner-Rebellen seien von dort nach drei Wochen vertrieben worden. Allerdings sollen in den vergangenen Tagen unbestätigten Berichten zufolge in der Nähe der Grenze zum Kosovo bis zu 60 Zivilisten getötet worden sein. Heeressprecher Blagoja Markovski sagte, die Rebellen hätten große Verluste erlitten. Aus Polizeikreisen hieß es, es habe vermutlich Dutzende Tote unter den militanten Albanern gegeben.

Die mazedonische Armee wirft den Rebellen vor, Tausende Zivilisten in der Region als menschliche Schutzschilde festzuhalten. Man bemühe sich, diese Menschen zu evakuieren, sagte ein Militärsprecher. Nach einem Bericht des staatlichen Rundfunks gelang es am Samstagabend 200 Menschen zu entkommen.

Tausende Zivilisten sind wegen der Kämpfe aus ihren Dörfern geflohen. Auf einem Feld wenige Kilometer von Vaksince entfernt sammelten sich am Samstag mehrere hundert Flüchtlinge. Soldaten trennten Männer im kampffähigen Alter von Frauen, Kindern und Greisen. Alle wurden mit Essen, Trinken und Erster Hilfe versorgt. Ein Flüchtling, Bujar Alili, sagte, er habe mit rund 60 anderen mehrere Tage in einem Keller ausgeharrt. Bewaffnete Männer hätten sie gezwungen, im Kampfgebiet zu bleiben. Andere Flüchtlinge und die Rebellen haben bisher Vorwürfe der Regierung zurückgewiesen, Zivilisten würden als "menschliche Schutzschilde" missbraucht.

Verärgerung in der Regierung

Unterdessen sorgten Berichte über Verhandlungen der beiden albanischen Parteien im mazedonischen Parlament mit den Rebellen für Verärgerung in der Regierung. Angeblich sollen die Parteien den Rebellen Straffreiheit und ein Vetorecht bei politischen Entscheidungen über die Albaner zugesichert haben, wenn dafür im Gegenzug die Kämpfe beendet würden. Mazedoniens Regierung lehnt Verhandlungen mit den Rebellen kategorisch ab. Der OSZE-Botschafter in Mazedonien, Robert Frowick, dem die Mitwirkung an den Verhandlungen vorgeworfen wird, mußte auf Druck der Regierung in Skopje das Land verlassen. Er dementiert aber jeden Kontakt zur UCK.

Verteidigungsminister Vlado Buckovski sagte am Samstagabend, man werde die militärischen Operationen solange fortsetzen, bis das Land von den Terroristen gereinigt sei.

Innenminister Ljuben Boskoski besuchte am Samstag das von Rebellen verlassene Dorf Vaksince. In dem von Kämpfen stark zerstörten Ort kündigte er einen "Vormarsch, Schritt für Schritt, bis zur Wiederherstellung der Ordnung" an. Noch im Sommer sollten Flüchtlinge in ihre Häuser zurückkehren können. "Wir werden alle Terroristen vertreiben", fügte er hinzu. (APA/AP)

Share if you care.