Lucent-Übernahme durch Alcatel könnte schon Dienstag perfekt sein

27. Mai 2001, 22:05
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Eine Reihe wichtiger Fragen vor "Zusammenschluss unter Gleichen" noch offen

Paris/Chicago - Der französische Telekom-Ausrüster Alcatel könnte nach Angaben aus informierten Kreisen schon am Dienstag die Übernahme seines US-Konkurrenten Lucent im Volumen von umgerechnet rund 500 Mrd. S (36,3 Mrd. Euro) bekannt geben. "Falls die Gespräche erfolgreich verlaufen, was aber noch nicht sicher ist, könnte es am Dienstag bekannt gegeben werden", hieß es. Bei einem Zusammenschluss der beiden Firmen mit zusammen aktuell 230.000 Mitarbeitern würde eines der größten Unternehmen der Branche mit einer starken Präsenz sowohl in den USA als auch in Europa entstehen.

Die Firmenspitzen von Alcatel und Lucent berieten den Angaben zufolge am vergangenen Wochenende über den möglichen Zusammenschluss. Allerdings wurde in den Kreisen darauf verwiesen, dass vor einer Vereinbarung noch eine Reihe wichtiger Fragen geklärt werden müssten. Die beiden Firmen haben sich bisher nicht zu den seit Tagen anhalten Fusionsspekulationen geäußert.

Zusammenschluss unter "Gleichen"

Den Angaben aus den Kreisen zufolge sehen die Fusionspläne vor, dass dies offiziell als ein Zusammenschluss "unter Gleichen" verkündet wird. Faktisch werde Alcatel aber Lucent per Aktientausch übernehmen. Dabei sei kein oder nur ein sehr geringer Aufschlag auf den aktuellen Aktienkurs der Lucent geplant. Die Titel hatten zuletzt bei 9,40 Dollar um mehr als 85 Prozent unter ihrem Hoch im vergangenen Sommer gelegen.

Alcatel und Lucent haben eine weitgehend identische Produktpalette. Alcatel mit Sitz in Paris hatte im ersten Quartal 2001 bei einem Umsatz von rund 7 Mrd. Euro (96,3 Mrd. S) einen Gewinn von 118 Mill. Euro erwirtschaftet. Seine Prognosen für das Gesamtjahr im Telekom-Geschäft hatte Alcatel aber gesenkt und dabei auf ein ungünstiges Geschäftsumfeld im Zuge eines nachlassenden Wirtschaftswachstums verwiesen. Der Konzern beschäftigt 130.000 Mitarbeiter in 130 Ländern.

Lucent mit Sitz in Murray Hill im US-Bundessaat New Jersey hatte im abgelaufen Quartal bei einem Umsatz von 5,9 Mrd. Dollar (6,87 Mrd. Euro/94,5 Mrd. S) einen Verlust von 3,7 Mrd. Dollar ausgewiesen, in dem allerdings 2,7 Mrd. Dollar Restrukturierungskosten enthalten waren. Der Konzern hat unter anderem den Abbau von 10.000 seiner 100.000 Arbeitsplätze angekündigt. (APA/Reuters)

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