Vitasek, Stangl und Kratzl warten im Kabelwerk auf Godot

27. Mai 2001, 10:30
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"Auf keinen Fall ein Kabarettabend", sondern "real und grausam"

Wien - Eines der bedeutendsten Theaterstücke der Moderne in einem Relikt der Industrialisierung: Ein entfremdendes Setting bietet das Kabelwerk in Wien-Meidling vom 4. bis 23. Juni für Hubsi Kramars Inszenierung von Samuel Becketts "Warten auf Godot". Mit bekannten Namen der Kleinkunstszene sind die Hauptrollen besetzt: Andreas Vitasek, I. Stangl und Karl Ferdinand Kratzl geben ihre Interpretationen von Estragon, Wladimir und Pozzo. Eine komödiantische Inszenierung des Stückes ist dennoch nicht zu erwarten, hielten die Beteiligten fest.

Eine langgezogene Halle, der man sowohl die jahrzehntelange Nutzung als auch langes Leerstehen ansieht, dient sowohl als Veranstaltungsort als auch als Bühnenbild für Kramars zweite "Godot"-Inszenierung (die erste war vor rund fünf Jahren an vorher nicht bekannten Orten in und um Wien zu sehen). Ausschließlich im Kabelwerk vorgefundenes Material wird als Bühnenutensilien verwendet, die Beleuchtung nutzt das von oben einfallende (Abend- )Licht. "Viele Städte haben diese Industriestätten als Kunsträume entdeckt", so Kramar, in normalen "Gold- und Plüschtheatersälen" sei "vor allem 'Godot' eine Watsche ins Gesicht".

"Es ist ein unglaubliches Stück", freute sich Kramar während einer Probenpause (es seien Proben, die "nicht ohne Konflikte abgehen", meinte er), es lote "höchst schwierige Fragen zu Philosophie und Leben aus". Er finde es "gar nicht absurd - das ist eine Schubladisierung -, sondern real und grausam". 200 Zuseher pro Vorstellung werden der Inszenierung des "bedeutendsten englischen Stückes des 20. Jahrhunderts", wozu "Warten auf Godot" Ende der 90er Jahre gekürt wurde, beiwohnen können. Die (langen) Probearbeiten sind derzeit in vollem Gange.

Für Verstimmung sorgt schon im Vorfeld der Hinweis auf die Bekanntheit der drei Hauptdarsteller vor allem als Kabarettisten. Obwohl die drei als "Dream-Team der kömodiantischen Darstellungskunst mit clownesken Zwischentönen" angekündigt werden, werde es "auf keinen Fall" rein komödiantisch werden, wehrt sich Stangl, "wir sind alle Schauspieler!" Er verstehe nicht, warum das Publikum bei den drei Namen Vitasek, Stangl und Kratzl sofort denken solle, dass es ein "Kabarettabend" werde. "Wir machen hier ganz normale Theaterarbeit". Es könne jedoch passieren, dass sich die Zuseher die Aufführung "nach ihrer Erwartungshaltung zusammenzimmern", meinte Stangl. Da sei "die Vermittlung besonders wichtig", so Kramar, es könne für das Publikum "besonders spannend sein, Kabarettisten plötzlich als Menschen zu sehen. Clowns wollen ja immer Tragöden sein, wenn man wirklich zuschaut, ist da oft ein großer Schmerz dahinter". (APA)

Samuel Beckett, "Warten auf Godot". 4. bis 23. 6, Kabelwerk, 12., Eingang Grießergasse/U6 Tscherrtegasse. Regie: Hubsi Kramar. Mit Andreas Vitasek, I. Stangl, Karl Ferdinand Kratzl u. a. Kostüme: Caterina Czepek. Tägl. außer So und Mo, 20:00 Uhr. Reservierung per email: hubsik@hotmail.com
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