Wieder Krawalle in englischer Stadt Oldham

27. Mai 2001, 22:10
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Asiaten bewerfen Pub mit Steinen - Vor Wahlen entbrennt Streit um politische Verantwortung

London - In der englischen Stadt Oldham bei Manchester ist es am Sonntagabend erneut zu Ausschreitungen gekommen. Eine Gruppe von asiatischen Jugendlichen bewarf ein Pub in der Innenstadt mit Pflastersteinen. Mehrere Scheiben gingen zu Bruch. Polizisten konnten die Krawallmacher vertreiben. Eine Polizeisprecherin sagte am Abend, in mehreren Stadtvierteln gebe es "sporadische Kämpfe", und es werde mit Steinen geworfen. In der Nacht zum Sonntag war es in Oldham zu schweren Rassenunruhen gekommen.

Etwa 500 asiatische Jugendliche hatten sich sieben Stunden lang in der Stadt nächtliche Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Dabei wurden mindestens 25 Menschen verletzt, in der Mehrzahl Polizisten. Die Jugendlichen warfen nach Angaben der Polizei mit Molotow-Cocktails und Pflastersteinen und feuerten mehrere Schüsse ab. Mehrere Autos brannten aus.

Die britischen Medien zogen Vergleiche zu den Rassenunruhen in britischen Schwarzen-Vierteln Anfang der 80er Jahre. Polizeichef Eric Hewitt sprach von einer "sehr ernsten Situation" und von "beispielloser Brutalität", die jeden Einwohner der Stadt tief getroffen habe. "Szenen wie diese haben wir noch nie gesehen", sagte er. Obwohl sich die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen seit Monaten aufgebaut hätten, habe niemand mit einer solchen Eskalation gerechnet.

Hague: "Asyl ist etwas ganz anderes als Rasse"

Die Liberaldemokraten machten die Konservativen für die Ausschreitungen mitverantwortlich, da sie im Wahlkampf Stimmung gegen Asylsuchende gemacht hätten. Oppositionsführer William Hague bestritt dies: "Das Thema Asyl ist etwas ganz anderes als Rasse", sagte er.

Oldham ist schon seit vergangenem Jahr Schauplatz gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen Weißen und Asiaten. Diesmal kam es nach Polizeiangaben zu den Ausschreitungen, weil weiße Fußballfans das

Haus einer asiatischen Familie mit Steinen beworfen hattem. Daraufhin hätten etwa hundert asiatische Jugendliche einen von Weißen besuchten Pub angegriffen.

Asiatische Banden sollen in bestimmten Vierteln von Oldham keine Weißen mehr zulassen. Im April war ein 76-jähriger Kriegsveteran zusammengeschlagen worden, der sich dorthin vorgewagt hatte. Ein 15-jähriger asiatischer Bub muss sich deshalb vor Gericht wegen eines "rassistisch motivierten Angriffs" verantworten. Seit diesem Vorfall haben britische Rechtsextremisten mehrfach versucht, durch das Viertel zu marschieren. Zuletzt waren am 5. Mai nach Zusammenstößen zwischen weißen und asiatischen Gangs 16 Personen festgenommen worden. (APA/dpa)

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