Unruhen in der Kabylei verschärfen sich

27. Mai 2001, 10:47
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Seit April 51 Tote und 1.300 Verletzte

Algier/Paris - Die Unruhen in der Kabylei im Nordosten Algeriens verschärfen sich wieder und haben in den vergangenen Tagen mindestens ein halbes Dutzend Menschenleben gefordert. Die Pariser Sonntagszeitung "Journal du Dimanche" berichtete von Spannungen bei den Militärmachthabern in Algier, die angesichts der anhaltenden Unruhen zu einer baldigen Absetzung von Präsident Präsident Abdelaziz Bouteflika führen könnten. In Algier kursierten Gerüchte, wonach in einigen Tagen wichtige Veränderungen in der Regierung angekündigt werden sollten. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es nicht.

Die Proteste jugendlicher Demonstranten in der abgelegenen Bergregion drohen nach französischen Medienberichten in einen Aufstand zu eskalieren. Jugendliche zerstörten öffentliche Bauwerke und bauten mit Strommasten Barrikaden gegen die Sicherheitskräfte. In der Region von Bouira etwa 120 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Algier habe es am Samstag bei den Zusammenstößen einen Toten und acht Verletzte gegeben. In Bejaia seien zwei alte Menschen tot aufgefunden worden, die nach den Angaben von Augenzeugen an Tränengas erstickt seien. Am Donnerstag und Freitag habe es insgesamt vier Tote gegeben.

Die Unruhen, die am 18. April ausbrachen als ein Jugendlicher von der Polizei erschossen wurde, haben nach offiziellen Angaben des algerischen Staats-Fernsehens 51 Menschenleben und 1.300 Verletzte gefordert. Nach Informationen aus Algerien könnte Bouteflika in Kürze mit einer weiteren Ankündigung von Maßnahmen versuchen, die Lage in der Kabylei zu beruhigen. In einer Fernseh-Ansprache am 30. April hatte er nur die Einsetzung einer Untersuchungskommission versprochen. (APA/dpa)

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