Deutscher Alt-Bundespräsident Lübke soll für den Einsatz von KZ-Häftlingen verantwortlich gewesen sein

26. Mai 2001, 19:18
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Hamburg - Der ehemalige deutsche Bundespräsident Heinrich Lübke war nach Erkenntnissen des Historikers Jens-Christian Wagner während des Zweiten Weltkriegs zeitweilig für den Einsatz von KZ-Häftlingen verantwortlich. Lübke habe in eigener Regie ein KZ-Häftlingskommando dirigiert, sagte Wagner dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" laut einem am Samstag im Voraus veröffentlichten Bericht. Wagner ist Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora.

Dem Bericht zufolge war Lübke zeitweilig der oberste Bauleiter des Raketenzentrums in Peenemünde auf Usedom, wo die V2 getestet wurde. Zumindest ein Teil der 1.400 auf Usedom lebenden Häftlinge sei direkt der "Baugruppe Schlempp" zugewiesen worden, bei der Lübke angestellt gewesen sei. Als Beleg diene Wagner die Notiz eines KZ-Vorarbeiters, der mit dem Kürzel "Kapo BGS" (für Baugruppe Schlempp) unterschrieben habe, berichtete der "Spiegel".

Wagner legte auch neue Nachweise über das Schicksal einiger Opfer vor, wie das Magazin weiter schrieb. Demnach öffnete die Staatsicherheit der DDR 1968 nahe der Kapelle von Peenemünde ein Massengrab mit 56 Leichen. Zudem existiere eine Verbrennungsliste des Krematoriums in Greifswald, auf der 171 Namen von Zwangsarbeitern aus Peenemünde genannt seien. Die DDR hatte Lübke bereits in den 60er Jahren seine Verstrickung mit dem Nationalsozialismus vorgeworfen. Lübke bestritt damals die Vorwürfe. Er starb 1972.(APA/AP)

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