Lufthansa-Streit: Schlichtungsgespräche in der heißen Phase

28. Mai 2001, 18:34
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Zeitrahmen der Schlichtungsgespräche unklar - Empfehlung Genschers nicht bindend

Frankfurt - Im fast vier Monate schwelenden Tarifstreit bei der Lufthansa hat am Montag die Schlichtung unter der Vermittlung des früheren Außenministers Hans-Dietrich Genscher begonnen. Eine Lufthansa-Sprecherin bestätigte den Start der Gespräche. Über den Verlauf des Verfahrens wahrten alle Beteiligten Stillschweigen.

Für die Dauer der Schlichtung will die Vereinigung Cockpit auf Streiks verzichten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte den Kurs der Piloten und warnte vor einer Aushöhlung von Flächentarifverträgen.

Empfehlung nicht bindend

Der Zeitrahmen für die schwierigen Schlichtungsgespräche ist unklar. Das Verfahren solle "zügig und erfolgsorientiert" geführt werden, hieß es. Genscher hatte die Vermittlung wegen der Bedeutung der Lufthansa für den Standort Deutschland angenommen. Laut Schlichtungsvereinbarung ist seine Empfehlung nicht bindend. Stimmen beide Seiten seinem Spruch zu, gilt dies als Ergebnis der Tarifverhandlungen. Lehnt dagegen eine der Parteien ab, ist das Verfahren ergebnislos.

Lufthansa und Cockpit hatten ihre Tarifverhandlungen in der vergangenen Woche für endgültig gescheitert erklärt. Cockpit verlangt für die 4200 Piloten und Copiloten 24 Prozent mehr Gehalt und eine Ergebnisbeteiligung. Die Lufthansa hatte für 2001 eine Verbesserung von 10,6 Prozent im Grundgehalt und eine Ergebnisbeteiligung in Höhe von zwei Monatsgehältern angeboten. Zwei ganztägige Pilotenstreiks hatten in den vergangenen Wochen für hunderte Flugausfälle gesorgt.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzendende Ursula Engelen-Kefer sagte im ZDF-Morgenmagazin, sie sehe durch das Vorgehen der Piloten die Gewerkschaftssolidarität in Gefahr und befürchte die Abspaltung weiterer Berufsgruppen. (APA/dpa)

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