Mesic: Krieg in Jugoslawien hätte verhindert werden können

26. Mai 2001, 14:20
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Tudjman und Milosevic vereinbarten Teilung Bosniens - Heutiger kroatischer Präsident war Zeuge

Zagreb - Der Zerfall des ehemaligen Jugoslawien sei zwar unumgänglich gewesen, weil es keine integrativen Faktoren mehr gegeben hätte, aber der Krieg hätte verhindert werden können. Dieses Meinungsbild zeichnete der kroatische Präsident Stipe Mesic zehn Jahre nach Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen in Kroatien am Freitag in einem Interview gegenüber dem Radiosender "Freies Europa". Mesic war zum Zeitpunkt des Zerfalls Jugoslawiens Vorsitzender des kollektiven jugoslawischen Staatspräsidiums.

Mesic erklärte, dass der Krieg hätte verhindert werden können, hätte Slobodan Milosevic nicht sein Ziel, die Schaffung eines "Großserbien", verwirklichen wollen. "Milosevic hat die Welt getäuscht, weil er wusste, dass die Welt sentimental gegenüber Jugoslawien war. Und er täuschte sie auch, indem er erklärte, dass er für den Erhalt Jugoslawiens kämpft", so Mesic.

Das Verhältnis zwischen Milosevic und Franjo Tudjman sei gut gewesen, sie hätten nie schlecht voneinander geredet, und die beiden Präsidenten hätten sich auch "sehr geschätzt", so Mesic. Auch sei während des Krieges zwischen Zagreb und Belgrad eine Telefonleitung gebaut worden, um so regelmäßige telefonische Kontakte pflegen zu können.

Initiator des "Geheimtreffens" zwischen Milosevic und Tudjman

Mesic erklärte, dass er der Initiator des "Geheimtreffens" zwischen Milosevic und Franjo Tudjman in der serbischen Stadt Karadjordje im März 1991 gewesen sei, als sich die beiden Präsidenten auf die Teilung Bosnien-Herzegowinas einigten. Tudjman habe nach dem Treffen mitgeteilt: "Siehe da, was Tudjman macht, Tudjman schafft ein Kroatien für tausend Jahre." Danach habe er die Karten gezeigt, wie die Teilung Bosniens aussehen sollte und welche Teile an Kroatien angeschlossen werden sollten. Unter anderem seien in den Karten auch die Teile des sogenannten "türkischen Kroatien" (nordwestliches Gebiet in Bosnien, Anm.) verzeichnet gewesen. Später seien in Serbien und Kroatien Kommissionen gebildet worden, die sich um die Teilung Bosniens kümmern sollten, so Mesic.

Kroatische Politiker aus allen Republiken des ehemaligen Jugoslawien hätten auch über "humanitäre Umsiedlungen" gesprochen, um Menschenofer zu vermeiden, bestätigte Mesic. So hätte Tudjman bei einem Treffen auch dem Präsidenten des Demokratischen Bundes der Kroaten der Vojvodina, Bela Tonkovic, vorgeschlagen, dass die Kroaten aus der nordserbsichen Provinz nach Slawonien umgesiedelt werden könnten. "Ich weiss nicht, was euch in der Vojvodina hält", hatte Tudjman erklärt. Tonkovic habe aber entschlossen reagiert und erklärt, dass die Vojvodina ihre Heimat sei und dass eine Umsiedlung nicht die Probleme lösen könnte. (APA)

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