Kampf um den Mutterschutz

26. Mai 2001, 19:15
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ICFTU-Tagungen in Nairobi fordern mehr Rechte für berufstätige Frauen

Nairobi, 25. Mai - Afrikanische Gewerkschaften haben ihre Regierungen aufgefordert, mehr für berufstätige Frauen mit Kindern zu tun. Auf einer Tagung des Internationale Bunds Freier Gewerkschaften (ICFTU) mahnten sie vor allem einen besseren Mutterschutz am Arbeitsplatz an.

"Wir reden hier nicht nur über Mütter", sagte Regina Amadi- Njoku, Afrikabeauftragte der in Genf ansässigen Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), auf dem Treffen im Vorfeld des 13. ICFTU-Kongresses vom 23. bis 25. Mai in Nairobi. Letztendlich gehe es um die "Entwicklung menschlichen Kapitals" und damit um eine der entscheidenden Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung.

Zur Diskussion standen auf der Veranstaltung am 21. Mai vor allem die Umsetzungsmöglichkeiten des neuen ILO-Abkommens über den Mutterschutz. Die auf der 88. Internationalen Arbeitskonferenz in Genf (30. Mai bis 15. Juni 2000) verabschiedete Novellierung der ILO-Mutterschutzkonvention von 1952 hat neue Regeln für den Schutz von Schwangeren am Arbeitsplatz aufgestellt und verlangt mindestens 14 Wochen bezahlten Mutterschaftsurlaub. (In Deutschland haben Frauen Anrecht auf 20 Wochen).

Unter anderem schreibt die neuformulierte ILO-Konvention vor, dass landwirtschaftliche Betriebe Schwangere von Arbeiten entbinden, die wie der Umgang mit Chemikalien für sie und ihr Kind gefährlich sind. Als entscheidend werten Frauenrechtler, dass das Übereinkommen nicht nur für Frauen gilt, die im formellen Sektor beschäftigt sind, sondern auch für den informellen Sektor. Lob erhielt weiter die Anpassung der Konvention an die Arbeitsbedingungen in einer globalisierten Wirtschaft.

"Die Globalisierung hat den Frauen natürlich neue und mehr Beschäftigungsmöglichkeiten beschert", befand Veronica Ayikwei Kofie, die Chefin des afrikanischen ICFTU-Frauenkomitees, vor 60 Gewerkschafterinnen. Zugleich aber seien Ausbeutung und Arbeitsplatzunsicherheit gewachsen.

Frauen wichtig für den Arbeitsmarkt

Welche Bedeutung Frauen auf dem afrikanischen Arbeitsmarkt haben, zeigt die Tatsache, dass sie 60 Prozent der in der Landwirtschaft Beschäftigten stellen und 80 Prozent der nicht in den Export gehenden Nahrungsmittel produzieren.

In den meisten afrikanischen Staaten existiert Mutterschutz nur auf dem Papier. In Kenia schreibt das Gesetz 60 Tage Mutterschaftsurlaub vor, der allerdings mit dem normalen Jahresurlaub verrechnet wird. Arbeitgebern aber ist selbst das zu viel. Männer werden deshalb bei der Einstellung eindeutig bevorzugt.

"In diesem Klima zögern viele Frauen, ihr Recht auf Mutterschaftsurlaub gelten zu machen", erläutert die kenianische Gewerkschafterin Mary Makofu. Sie gingen davon aus, dass ihre Stelle nicht über 60 Tage freigehalten wird, und das sei in der Tat oft der Fall.

Vorbildhaft sind demgegenüber die Bestimmungen in Südafrika. Sie übertreffen sogar die ILO-Forderungen. Der Kapstaat garantiert Frauen mindestens vier Monate bezahlten Mutterschaftsurlaub und stellt Männern frei, an Stelle ihrer Frauen eine Erziehungspause einzulegen. (IPS)

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