Grundrecht auf Kloning?

26. Mai 2001, 20:02
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Ein Klonverbot in den USA gestaltet sich schwierig

Washington - Der Versuch, in den USA das "reproduktive Klonen" - das Kopieren ganzer Menschen - zu verbieten oder zumindest zu regulieren, gestaltet sich unerwartet schwierig und könnte laut Washington Post am Ende in sein gerades Gegenteil umschlagen: in einen Spruch des Höchstgerichts, das in der Tradition seiner Rechtssprechung in Reproduktionsangelegenheiten das Klonen zum Grundrecht erklären könnte.

Zwar hat die US-Behörde Food and Drug Administration (FDA) am 23. März an zwei Gruppen mit öffentlich bekannt gemachten Klonplänen einen Brief geschickt, in dem sie die Zuständigkeit in Klonangelegenheiten beansprucht. Aber die Briefempfänger - und nicht nur sie, sondern auch viele Rechtsexperten - halten das für Bluff, weil die FDA eben für Nahrung und Medikamente zuständig ist und nicht für Embryonen. Und die FDA selbst muss auch reichlich umwegig argumentieren: Sie will Klonembryonen als "biologische Produkte" und/ oder "Medikamente" in ihre Kompetenz ziehen.

"Biologische Produkte" sind etwa Impfstoffe, die ein Leiden therapieren, im Fall des Klons wäre das Leiden die Unfruchtbarkeit. Aber das hätte die juristische Tücke, dass ein Klonen aus anderen Gründen - etwa Eitelkeit - nicht erfasst würde. Deshalb will die FDA Kompetenz auch aus einer zweiten ihrer klassischen Aufgaben ableiten: Sie erklärt Klone zu "Medikamenten", das sind "Gegenstände, die die Struktur oder eine Funktion des Körpers betreffen". Der betroffene Körper wäre der der Leihmutter des Klons.

Beide Argumente finden Zustimmung nur bei den interessierten Parteien - Biotechnikern und Reproduktionsbiologen -, die das Klonen lieber von der FDA reguliert sehen als etwa von einem Parlamentsbeschluss verboten.

Ob ein solcher Beschluss halten würde, ist aber auch zweifelhaft. Das Höchstgericht der USA hat das Recht auf Kinder und die private Entscheidung darüber immer unter die Grundrechte eingereiht. Und viele Juristen sehen keinen Grund, warum das bei der neuen Vermehrungsweise anders sein sollte. "Wenn das Gericht die genetische Verbindung mit der nächsten Generation breit auslegt", urteilt ein Jurist der University of Wisconsin, "dann könnte es Klonen zu den Grundrechten rechnen." (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe 26./27. 5. 2001)

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