Weltenergierat nimmt mit Atomkraft Kurs auf CO2-Reduktion

27. Mai 2001, 21:20
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600 Projekte sollen eine Milliarde Tonnen des Treibhausgases abbauen - Kritikpunkte sind jedoch zahlreich

London - Der Weltenergierat (WEC) liegt nach eigenen Angaben auf gutem Kurs, das Ziel zwischen 2000 und 2005 eine Mrd. Tonnen Kohlendioxid bzw. –Äquivalente abzubauen, zu erreichen. Durchsetzen will die internationale Organisation das Ziel mit freiwilligen Maßnahmen der Industrie. Bereits im letzten Jahr erstellte die WEC eine Datenbank mit Treibhausgas reduzierenden Projekten. Derzeit existieren 600 Projekte in 83 Ländern. Die Organisation spricht nun von einer dadurch möglichen Verdoppelung der CO2-Reduktion auf zwei Mrd. Tonnen.

Kritiker stellen allerdings die industriellen Projekte in Frage. Einige Maßnahmen seien spezifische Unternehmensprojekte, um laufende Emissionen zu reduzieren. Meistens handle es sich um Kraftwerksprojekte oder –programme mit niedriger CO2-Produktion. Diese beinhalten eine Reihe von Gaskraftwerken. Die Datenbank beinhaltet auch Strategien der Regierung, die als "Top-down"-Maßnahmen definiert sind. So ist z.B. Frankreich für die weitere Entwicklung von Hochgeschwindigkeitszügen aufgelistet. Erwartungen zufolge sollen diese Züge 30.000 Tonnen CO2 bis zum Jahr 2005 einsparen. Eingetragen sind auch Werte der deutschen Bundesregierung zur Energiesicherung in privaten Gebäuden. Diese belaufen sich auf ein Einsparungspotenzial von 3,9 Mio. Tonne CO2.

Als ein typisches Projekt gilt eine zehn Megawatt Windanlage in Ontario, die direkt neben einem Atomkraftwerk liegt. Weiters aufgeführt sind ein Wasserkraftwerk in China, das eine Emission von rund 45 Mio. Tonnen CO2 vermeiden könne und das kontrovers diskutierte Atomkraftwerk Temelin, das die Emission von 3,3 Mio. Tonnen CO2 unterlaufen soll. WEC-Sprecherin Elene Virkkala Nekhaev räumt der Datenbank allerdings ein, dass "sie nicht unbedingt eine Initiative ist." Unberücksichtigt blieben auch die ökologischen Nachteile der Projekte. Ebensowenig sind die Gefahren in der Beseitigung nuklearen Abfalls sowie die Probleme im Dammbau bei großen Wasserkraftanlagen und der Konstruktion von Pipelines aufgeführt. (pte)

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