Menschenrechte: Auch in Österreich noch viel "im Argen"

25. Mai 2001, 20:29
posten

amnesty wird 40 Jahre alt

Wien - Der Generalsekretär von amnesty Österreich, Heinz Patzelt, sieht anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums der Menschenrechtsorganisation auch hierzulande großen Bedarf an Arbeit für die Menschenrechte. Beim Asylrecht etwa lägen "die Dinge in Österreich im Argen", weil hier ständig eine Vermischung von Integrationspolitik mit der individuellen Beurteilung einzelner Flüchtlingsschicksale passiere, kritisiert Patzelt. Als Erfolg der Arbeit für Menschenrechte wertet er indes die Gründung eines Beirats im Innenministerium, der die Einhaltung der Menschenrechte durch die Exekutive kontrollieren soll.

Eines der Prinzipien der Menschenrechtsorganisation sei es, alle Menschenrechtsverletzungen gleich wichtig zu nehmen und nicht etwa nach Todesstrafe, Folter oder Misshandlungen zu differenzieren, erläutert Patzelt: "Ein Ranking der größten Menschenrechtsverletzer gibt es bei uns nicht." Die Organisation bemüht sich weltweit um die Freilassung politischer Häftlinge, fordert faire Gerichtsverfahren und tritt gegen Todesstrafe und Folter sowie das "Verschwindenlassen" politisch unliebsamer Menschen auf. Dazu kommt der Einsatz für Flüchtlinge.

In London wird geprüft

Die "Arbeit im eigenen Land" ist für Amnesty-Mitglieder grundsätzlich eingeschränkt. Um die Objektivität nicht zu gefährden, werden alle bekannt gewordenen Fälle eventueller Menschenrechtsverletzungen vom Internationalen Sekretariat in London geprüft. Auch die Gefahr einer Verfolgung von AktivistInnen, die den MachthaberInnen unbequem werden, soll so vermieden werden.

Die Österreich-Sektion von amnesty wurde erst im Jahr 1970 gegründet. Der 40. Jahrestag ist aber auch für die etwa 1000 aktiven ai-Mitglieder in Österreich Anlass zum Feiern. So spielte etwa am 21. Mai in Leoben die Bigband der Musik- und Kunstschule zugunsten von ai. Am 9. Juni treten bei einem Benefizabend im Mozarteum in Salzburg der A-Cappella-Chor "Auftakt? Schöne Töne" und der Kabarettist Ingo Vogl auf.

(APA/chr, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27.05.2001))

Share if you care.