Heiliger Bogart,
bitt für ihn!

25. Mai 2001, 22:46
posten

Eine Woody-Allen- Adaption in den Kammerspielen der Josefstadt

Wien - Sie gehört zu den legendären Filmen Woody Allens, die hochromantische Komödie Play it again, Sam mit Bogart als raunendem Macho-Gespenst, das immer schon gewusst hat, was Frauen wünschen. Dabei hat der "Stadtneurotiker" damals, 1972, noch gar nicht Regie geführt; Allen schrieb "nur" das witzsprühende Drehbuch und spielte sich als verklemmter Filmkritiker Allan Felix, dessen Sexlife ein Desaster darstellt, in die Filmgeschichte.

Umso mutiger von André Pohl, wenn er sich nun in den Kammerspielen einem solchen Vergleich aussetzt. In der flott aktualisierten Bühnenfassung Spiel's noch mal, Sam schlüpft er in die Rolle des verkorksten Cineasten, der sich angesichts niederschmetternder Aufrisserfolge immer wieder in Filmfantasien mit Bogie flüchtet, um sich dort mit einer harten Dosis Abgebrühtheit zu dopen.

Es wurde, um es vorwegzunehmen, ein Triumph für Pohl: Dem Vorbild in der äußeren Erscheinungsform angenähert, mit Brille und rötlichem Haar, vermeidet Pohl alle Versuchungen einer billigen Kopie, sondern entwickelt schusselig eine atemberaubende Komödiantik, die stets das Vorbild zitiert, aber zugleich eine ganz eigene, exzellente Note einbringt. Zum Staunen auch, wie er diese Figur nie an den Klamauk verrät, sondern mitten in den Lachstürmen, die er großäugig und mit geschürzten Lippen evoziert, stets etwas vom Ernst dieses in Lebensnot schwebenden Mannes behält.

Bravourös sekundiert wird er dabei von Toni Slama als ultracoolem Bogart und Proschat Madani, die in einer unglaublichen Verwandlungsleistung alle sieben Frauen spielt, an denen unser Neurotiker scheitert.

Die launige Inszenierung Beverly Blankenships schafft dafür die ideale Spielwiese mit Zauberwänden, die es erlauben, die schnellen Schnitte zu schaffen, mit denen der Held in sein erotisches Fantasieleben abtaucht. Die Kammerspiele haben einen neuen Hit, bei dem man nicht unter Niveau lachen muss. Spiel's noch einmal, André!
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26./27. 5. 2001)

Von
Lothar Lohs

Share if you care.