Gewerbe stellt Wien gutes Zeugnis aus

25. Mai 2001, 20:34
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Abwanderung verliert ihren Reiz

Wien - Die Zeiten des Jammerns scheinen vorbei. Wien wird als Standort für seine Gewerbe-, Handwerks-, und Dienstleistungsbetriebe immer attraktiver. Durch die gute Infrastruktur und die Konsumentennähe verlieren immer mehr Betriebe die Lust zur Abwanderung auf die grüne Wiese. Aber nicht nur die bereits ansässigen sondern auch viele neue Betriebe geben der Bundeshauptstadt wieder den Vorzug, zeigt sich Wiens oberster Gewerbechef, Wilfried Haas, auf STANDARD-Anfrage entsprechend zufrieden. Dass es sich dabei nicht um Zweckoptimismus handelt, belegt die neueste Studie des Institutes für Gewerbe- und Handelsforschung (IfGH), die nach einer Befragung bei den Betrieben ebenfalls hauptsächlich good news zu vermelden hat.

So wollen in den nächsten drei Jahren 1600 Betriebe den Standort verlegen, die Hälfte davon will aber in Wien bzw. 15,2 Prozent sogar im gleichen Bezirk bleiben. "Wir haben mit den Mieten in Wien leben gelernt", kommentiert Haas.

Außerdem betrug die Gründungsintensität im Jahr 2000 in Wien hohe 9,1 Prozent (österreichweit: 8,2 Prozent). Ein Drittel davon sind moderne Wirtschaftsdienstleister, wie etwa Unternehmensberater.

Administrative Auflagen o.k.

Probleme bereiten hingegen oft fehlende Erweiterungsmöglichkeiten in dichtverbauten Gebieten und die Personalkosten. Das IfGH meint dazu aber, diese Kosten würden offensichtlich durch eine höhere Personalproduktivität ausgeglichen. Auffällig: Bei der Bewertung der administrativen Auflagen in Wien gab es keinen negativen Überhang. Sie war relativ ausgeglichen.

Am positivsten bewertet wurde die Konsumentennähe, und dies durchaus nicht nur von den auf den Privatkonsum orientierten Sektoren, sondern auch durch überwiegend an gewerbliche Kunden lieferende Branchen, wie etwa dem Druck- und Papierbereich.

Der Sektor Gewerbe, Handwerk und Dienstleistung stellt den größten Wirtschaftssektor Wiens dar. 43 Prozent der Unternehmen und 28 Prozent der Beschäftigten sind hier tätig.
(Monika Bachhofer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. Mai 2001)

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