Sale-and-lease-back von Handymasten

25. Mai 2001, 19:34
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MTCAG mit neuem Geschäftsmodell

Wien - Die bei Eisenbahnen und Fluglinien gängige Praxis, Infrastruktureigentum zu verkaufen und danach wieder zurückzumieten, könnte demnächst auch die Bilanzen der heimischen Mobilfunkbetreiber entlasten: Der Vösendorfer Glasfaser- und Breitbandspezialist MTCAG will die GSM-Firmen dazu animieren, ihre Sendemasten an die aus einem MBO beim Glasfaserhersteller Memorex entstandene MTCAG zu verkaufen, um sie gleich wieder an die Verkäufer zu vermieten.

"Ein solches Sale-and-lease-back-Verfahren bringt beiden Seiten Vorteile", so Peter Ziegelwanger, Marketing- und Vertriebsvorstand der MTCAG. "Die Mobilfunker brauchen sich um Wartung und Service ihrer Anlagen nicht mehr zu kümmern, und wir können die Sendeanlagen für professionelles Sitesharing mit neuen Betreibern anbieten." Infrage kämen dafür aber nur die rund 4000 bis 5000 frei stehenden Masten, die bereits jetzt gemeinsam benutzt werden. Neue Anbieter wie die chinesische Hutchison oder Spaniens Telefónica, die gerade ihre Netzpläne für Österreich erstellen, könnten die Anlagen dann in ihre Planungen mit einbeziehen. Ziegelwanger ist überzeugt, dass der internationale Trend auf Österreich überschwappen wird. Pro Mast rechnet die MTCAG mit Investitionskosten von rund 1,5 Mio. S (110 Mio. EURO).

Lange Leitung

Ihr Geld verdient der österreichische Anbieter von Telekominfrastruktur derzeit mit einem Glasfasernetz, das Wien und München via Datenhighway direkt verbindet und das an Großabnehmer vermietet wird. Bis 2002 soll eine 3000 Kilometer lange, leistungsfähige Anbindung an die zentral- und südeuropäischen Länder fertig gestellt sein. Zum Kundenkreis des Breitbandnetzes, zu dem auch ein Leitungsring innerhalb Wiens gehört, zählen u. a. Max.mobil, Connect Austria (One), KPN Qwest, European Telecom und diverse Kabelbetreiber. Gebaut wird am Backbone seit 1999, die Investitionen beziffert Ziegelwanger mit rund einer Milliarde Schilling. Heuer sollen erneut 500 bis 600 Mio. S in der Erde vergraben werden.

Aufgrund des rasant wachsenden Bedarfs an Kapazitäten für schnelle Datenübertragung und zum Teil dramatisch reduzierten Investitionen in der Branche rechnet die MTCAG mit steigender Nachfrage bei Datenleitungen. MTCAG steht für Memorex Telex Communications AG und ist zur Gänze im Besitz ihrer Gründer Günter Koeniger (50 Prozent), Helmut Mayerhofer (44,8 Prozent), Franz Bayer (fünf Prozent) und Herbert Schmidtmeier (0,2 Prozent).

Als vergleichsweise kleines Unternehmen - mit 180 Mitarbeitern wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr (31. März) rund 330 Mio. S Umsatz erwirtschaftet - liege man beim Preis um bis zu 50 Prozent unter den großen Konzernen, betont Ziegelwanger. Das vorläufige Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) betrug nach eigenen Angaben 34 Mio. S, der Nettogewinn rund 16 Mio. S. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. 5. 2001)

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