Haider wirft Verbund unseriöse Praktiken vor

25. Mai 2001, 19:11
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Landeschef ortet Intervention bei Mitbietern

Klagenfurt - Der Verkauf der Kärntner Energieholding an den deutschen Atomstromkonzern RWE sorgt für Wirbel in der Strombranche. Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider (FP) weist die massive Kritik des Verbunds zurück, der beim Teilverkauf der Landesstromgesellschaft Kelag wider Erwarten nicht zum Zug gekommen war. Der heimische Wasserkraftkonzern fühlt sich vom Landeshäuptling hintergangen. Haider warf der Verbundgesellschaft am Freitag seinerseits "unseriöse Praktiken" vor.

In der Ausschreibungs- und Bieterphase sei seitens des Verbunds bei einigen ausländischen Mitbewerbern interveniert worden. Diese sollten "ihr Kelag-Offert zurückziehen, um so selbst billiger in Kärnten einsteigen zu können", warf Haider dem Verbund vor. Weiters wies er auf das nicht der Ausschreibung entsprechende Angebot des Verbunds hin, der 51 anstatt der ausgeschriebenen 49 Prozent der Kärntner Energieholding erwerben wollte. Durchgerechnet hält die RWE jetzt 31 Prozent an der Kelag, der Verbund 35 Prozent, das Land Kärnten über 32 Prozent.

Der Einstieg der Deutschen bedeute mehr als die Sicherung der 300 Jobs bei der Kelag. Der Landesversorger sei nämlich ab sofort nicht nur die österreichweite Vertriebsplattform des RWE-Konzerns, sondern auch das Kompetenzzentrum für alle südosteuropäischen und norditalienischen Aktivitäten des deutschen Partners.

Der Landeshauptmann wies auch darauf hin, dass die Belegschaftsvertretung den Verbund abgelehnt habe, da die Kelag-Mitarbeiter mit dem Verbund als Hauptaktionär ein ähnliches Schicksal befürchtet hätten, welches seinerzeit der Draukraft zuteil wurde: So seien in Kärnten Hunderte Arbeitsplätze abgebaut worden, um die Unternehmenszentrale in Wien zu retten. (APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. 5. 2001)

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