Alljährlich trifft man sich zum "Blutritt"

25. Mai 2001, 19:18
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Ethnologisch kurios: Barockkatholische Reiterprozession in Oberschwaben

München - Die größte Reiterprozession Europas, der "Blutritt" in Weingarten, hat am Freitag mehr als 20.000 Pilger und Zuschauer nach Oberschwaben gelockt. An dem reichlich barockkatholischen Kirchenfest nahmen etwa 3.000, in 100 Gruppen organisierten "Blutreiter" in Frack und Zylinder aus der Region teil, die drei Stunden lang zu Ehren der Heilig-Blut-Reliquie durchs Zentrum der 23 500-Einwohner-Stadt zogen.

Die Jahrhunderte alte Reiterprozession, die alljährlich am Freitag nach Christi Himmelfahrt stattfindet zählt für die Frommen der Gegend zu den Höhepunkten des Kirchenjahres. Der "Blutreiter", traditionsgemäß ein Mönch mit rotem Samtumhang auf einem Schimmel, segnet mit der Reliquie, die nach der Überlieferung Blut Jesu enthält, die Menschen am Straßenrand.

Der "Blutritt" geht auf das Jahr 1094 zurück. Damals schenkte Judith, die Frau von Herzog Welf IV., dem Benediktinerkloster Weingarten die Reliquie. Der Abt soll sie an einem Freitag nach Himmelfahrt entgegengenommen haben.

Aber trotz aller "tief verwurzelten" Traditionalismen sickert auch in Weingarten die Moderne ein: Nun dürfen sogar "seit neuestem" Ministrantinnen bei der Männerveranstaltung mitreiten. Die Volksmär weiß freilich zu berichten, dass sich aber auch früher schon als Männer verkleidete Frauen in den Festzug geschlichen haben sollen. (APA/dpa)

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