Totgeglaubte leben manchmal länger: Asiatische Löwen

25. Mai 2001, 16:45
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Die Letzten sind fruchtbar, das Reservat nun zu eng

Neu Delhi/Hamburg - Die letzten rund 300 asiatischen Löwen haben sich in ihrem Nationalpark in Indien trotz großer Umweltprobleme vermehrt. Um den Bestand vor Krankheiten zu schützen, ist nun eine Umsiedlung einiger Tiere in ein anderes Reservat geplant. G. A. Patel, der Chefwildhüter des westlichen Bundesstaates Gujarat, bestätigte am Freitag einen Bericht der Juni-Ausgabe von "National Geographic".

Patel widersprach allerdings Angaben des Magazins, wonach die Löwen immer häufiger mit Menschen in Konflikt gerieten. Die Zahl der Tiere hat sich seit 1995 von 304 auf 327 erhöht. Die jüngste Zählung wurde in der vergangenen Woche abgeschlossen. Schwächere Tiere seien in die Wälder am Rand des Reservats ausgewandert, hätten aber noch keine Menschen angefallen, sagte Gir. Die Löwen haben sich vermehrt, obwohl sie durch Umweltgifte und eine Dürre im vergangenen Jahr gefährdet waren.

Es gibt Pläne, einige asiatische Löwen in den Kuno-Wildpark im benachbarten Bundesstaat Madhya Pradesh umzusiedeln. Das habe aber nicht mit der leicht gestiegenen Zahl in Gir zu tun, sagte Patel. Vielmehr hätten die Wildschützer Angst, dass der asiatische Löwe mit einem Schlag ausgerottet werden könnte, wenn eine Krankheit in Gir ausbräche. Deshalb werde überlegt, eine zweite Population anderswo aufzubauen.

Dabei gibt es allerdings ein Problem: In Kuno und fast allen anderen für Löwen geeigneten Nationalparks leben Tiger. Tiger und Löwen könnten kaum im selben Gebiet existieren, sagte Patel, weil beide dominante Jäger sind und sich gegenseitig die Beute und Territorien streitig machen. Ob die Umsiedlungspläne verwirklicht werden, ist deshalb noch offen. In Indien leben knapp 3000 Tiger in zahlreichen Reservaten.

Die indischen Löwen, die etwas kleiner sind als ihre afrikanischen Verwandten, waren früher in ganz Asien bis in die Türkei verbreitet. 1913 waren bis auf 13 Tiere ausgerottet. Auch europäische Zoos bemühen sich nach Angaben von "National Geographic" mit insgesamt 60 Exemplaren, die seltenen Tiere zu bewahren. (APA/dpa)

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