Frankreich: Künftig droht Haftstrafe für Mobbing am Arbeitsplatz

25. Mai 2001, 16:11
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Beweislast liegt beim Angeklagten

Paris - Mobbing am Arbeitsplatz kann in Frankreich künftig mit einem Jahr Gefängnis und einer Geldbuße von bis zu 100.000 Franc (209.774 S) bestraft werden. Die neue Regelung stieß auf geteiltes Echo: Während Opferverbände die Entscheidung der Pariser Nationalversammlung begrüßten, äußerten sich Spitzenmanager vielfach kritisch. Ohne diese Gesetzesgrundlage hätten die Anwälte bisher gezögert, in Mobbing-Fällen Klage einzureichen, sagte der Vorsitzende des Anti-Mobbing-Verbandes AHMS, Lüc Scoarnec, der Tageszeitung "Le Parisien".

Von Seiten der Unternehmer hieß es hingegen, die neue Regelung gehe zu weit, ermögliche den Missbrauch und belaste das Arbeitsklima. Die Verfechter der neuen Regelung zitierten Studien, wonach sich in Frankreich jeder dritte Arbeitnehmer als Mobbing-Opfer fühlt.

Die Pariser Nationalversammlung hatte die Mobbing-Strafe in der Nacht auf Donnerstag eingeführt. Demnach sollen Arbeitnehmer künftig vor jeder "seelischen Belästigung" durch Vorgesetzte und Kollegen geschützt werden. Das Gesetz definiert Mobbing als systematische Verfolgung, die Arbeitnehmer "in ihrer Würde und ihren Rechten einschränkt" und die "ihre körperliche oder geistige Gesundheit sowie ihre berufliche Zukunft gefährdet". Die Beweislast liegt demnach beim Angeklagten. Dieser muss nachweisen, dass sein Verhalten kein gezieltes Mobbing ist. (APA)

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