Aktionäre um Cobra ziehen überraschend Mißtrauensanträge zurück

25. Mai 2001, 14:55
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Kohlhaussen übergibt Führung der Bank an Müller

Frankfurt/Main - Die Aktionäre um die Investorengruppe Cobra haben auf der Commerzbank-Hauptversammlung überraschend ihre vorstandskritischen Anträge zurückgezogen. Ursprünglich hatte die Aktionärsgruppe Anträge eingereicht, um dem Vorstand das Vertrauen zu entziehen und Sonderprüfer zu bestellen. Das Aktionärstreffen am Freitag war auch wegen dieses Konflikts mit Spannung erwartet worden. Der scheidende Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen hatte in seiner Rede vor den Aktionären auch ausführlich Stellung zu dem Konflikt mit der Gruppe genommen. Es seien immer wieder Gespräche mit den Repräsentanten der Gruppe geführt worden. "Sie haben allerdings nicht den Eindruck vermittelt, dass dort eine klare oder gar strategische Linie verfolgt wurde." Äußerungen der Gesprächspartner hätten dann irgendwann nahe gelegt, "dass von Anfang an die Zielsetzung darin bestand, das Investment möglichst schnell und ertragreich weiterzugeben".

"Das anfängliche Unbehagen, gepaart mit Unsicherheit, unserer Mitarbeiter und unserer Kunden hat sich inzwischen gelegt", so Kohlhaussen. Allerdings zeige sich als Ergebnis von Intransparenz und Unsicherheit "eine Kursschwäche in der Commerzbank-Aktie, die so weder auf Grund der Geschäftsentwicklung noch angesichts des allgemeinen Marktumfeldes gerechtfertigt war".

Phantasie

Kohlhaussen bekräftigte, dass "in letzter Zeit kolportierte Gerüchte, es gäbe einen Deal der Bank mit dieser Aktionärsgruppe oder ein solcher stünde unmittelbar bevor, kann ich nur in das Reich der Phantasie verweisen".

Cobra-Vertreter Hansgeorg Hofmann begründete die plötzliche Kehrtwende vor den Aktionärsvertretern mit dem anstehenden Wechsel an der Commerzbank-Spitze. Die Aktionärsgruppe mit knapp zehn Prozent des Kapitals und etwa weiteren acht Prozent sympathisierenden Anteilsstimmen wollen den neuen Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller unterstützen, der mit Ablauf der Hauptversammlung die Position von Martin Kohlhaussen übernimmt. Der ehemalige Dresdner-Bank-Vorstand Hofmann betonte in diesem Zusammenhang, es sei auch für das viertgrößte deutsche Geldhaus schädlich, wenn man die "bekannten Schwachstellen" des Instituts in der Öffentlichkeit ausbreitet. Sollte sich allerdings die "aktionärsfeindliche Politik" in der Ägide Müller fortsetzen, werde man den vorhandenen Stimmenblock allerdings entsprechend einsetzen.

Dem scheidenden Commerzbank-Sprecher Kohlhaussen warf Hofmann vor, er habe die Bank in die Sackgasse geführt. Ohne starken Partner sei das Geldinstitut mit mehr als vier Millionen Privatkonten im schärfer werdenden Wettbewerb zu klein. (APA/AP)

  • Martin Kohlhaussen (rechts) übergibt Führung der Commerzbank an Klaus Peter Müller (links)

    Martin Kohlhaussen (rechts) übergibt Führung der Commerzbank an Klaus Peter Müller (links)

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